Maltesische Stadtarchitektur

Die Einförmigkeit der maltesischen Städte mit ihren mehr oder weniger identischen Häusern ist ein britisches Erbe: Die neuen Kolonialherren übertrugen im 19. Jh. die strikten Bauvorschriften des georgianischen Architekturideals auf Malta.

 

Traufhöhe, Zweistöckigkeit, Flachdach, Parzellenzuschnitt, Innenhof, Anzahl und Rhythmus der Fenster und Balkone, Straßenbreite - alles war nach einem Idealbild geregelt, das den britischen Beamten als passend für ein mediterranes Land erschien. Dabei wurden natürlich landestypische Entwicklungen aufgegriffen.

 

Über Flachdächer etwa wurde schon seit mehr als tausend Jahren Regenwasser in Zisternen geleitet, ebenso alt ist das Modell des Innenhofhauses. Der Ursprung der typischen Balkone hingegen, deren kräftige bunte Farben allen maltesischen Orten den typischen Charakter geben, ist nicht völlig geklärt.

 

Möglich, dass sie zur Zeit der Johanniter nach kleinasiatisch-türkischen Vorbildern auf die Inseln kamen, wahrscheinlich aber erst unter den Briten, die zur Verbesserung der Wohnungssituation in größerem Umfang das notwendige Holz importierten.

 

Das anglo-maltesische Architekturmodell, das inzwischen zur Postkartenidylle wurde, ist heute allerdings bedroht. Begehrt sind moderne Häuser im italienischen Villenstil, und so bauen alle, die es sich leisten können, am Rand der alten Ortskerne, um die sich daher ein stetig wachsender Ring von neuen Vierteln legt.

 

Da staatliche Steuerung unterbleibt, wird dies zunehmend ein Problem: Nach offiziellen Zahlen ist das bebaute Areal der Insel in den letzten 30 Jahren von 6 % auf knapp 17 % der Gesamtfläche gestiegen, zugleich stehen etwa 20 % der Altbausubstanz leer.

 

 

 

 

 

Quelle: ADAC Verlag GmbH