Vertreibung aus Malta - Souverän ohne Land

Als die Bedrohung durch die Türken schwächer wurde, verlor auch der Malteser-Ritterorden seine große Kraft. Im Zeitalter der Aufklärung fand er nicht mehr die frühere Anerkennung als Speerspitze des Christentums in Europa.

 

Die Ideen und Ideale der französischen Revolution gewannen auch in den Kreisen der Ritter und Laienbrüder Anhänger. So hatte Napoleon ein leichtes Spiel, als er 1798 auf dem Weg nach Ägypten nach Malta kam: Er forderte den Großmeister - ausgerechnet den einzigen Deutschen, den der Orden je hatte - auf, ihm die Insel zu übergeben und Malta fiel ihm kampflos zu.

 

Die Ritter verließen die Insel. Wenige Jahre später, 1802, nahm Großbritannien Malta in Besitz, doch dem Orden gelang es nicht mehr, seine Ansprüche auf die Insel durchzusetzen.

Der Ritterorden erreichte über mehrere Stationen, z.B. Petersburg, im Jahre 1834 Rom. Dort können sich die Malteser bis heute als 'Volk ohne Land', als Souveräne nach Völkerrecht, behaupten - mit allen Rechten, wie beispielsweise einem Sitz in der EU, WHO, UNHCR.

 

Ihr Ordens- und Regierungssitz, ein etwa 4.000 Quadratmeter großes Territorium auf dem Aventin-Hügel in Rom, ist heute ein beliebtes Ausflugsziel, denn blickt man durch das Schlüsselloch des großen Tores, fällt der Blick genau auf die Kuppel des Petersdomes.

Die Institution der Malteserritter gibt eigene Pässe und Briefmarken heraus und hat eine eigene Gerichtsbarkeit. An ihrer Spitze steht ein gewählter Großmeister, der den Rang eines königlichen Prinzen und eines Kardinals der katholischen Kirche einnimmt.

 

Zu den 12.000 Ordensdamen und Ordensrittern gehören alle Arten von Herzögen, Grafen und Baronen, Industriekapitäne, Finanzmagnaten, König Juan Carlos von Spanien, König Baudouin von Belgien, Fürst Rainier von Monaco sowie Königin Beatrix der Niederlande.