Geschichte des Malteserordens,

 

Teil 2

 

Gründung in Palästina 

Der Orden vom Spital des heiligen Johannes zu Jerusalem (als Johanniter oder Hospitaliter bezeichnet) wurde 1048 gegründet und 1113 vom Papst bestätigt.

 

Er ging aus einem Pilgerspital hervor, das von Kaufleuten aus Amalfi bereits lange vor dem ersten Kreuzzug gestiftet worden und Johannes dem Täufer geweiht war, woraus sich der Name Johanniter ableitet. Zur Gründungszeit des Ordens konnte das Spital in Jerusalem bereits um die 2000 Pilger aufnehmen.

Zunächst trugen die Johanniter eine einfache Schwarze Mönchskutte. Als der ursprüngliche Hospitaldienst immer mehr durch den bewaffneten Schutz von Pilgern und den Kampf in Kreuzzugsgebieten ergänzt wurde, trugen sie ab dem 13. Jahrhundert zunächst einen schwarzen Übermantel mit einem weißen Kreuz darauf, das in acht Spitzen endete.

 

Ab Mitte des 13. Jahrhunderts wurde es üblich, dass die Ordensritter in Kriegszeiten einen roten Mantel mit weißem Kreuz trugen. Die Form des Kreuzes ist inzwischen als Malteserkreuz bekannt. Imposante Zeugnisse der Geschichte des Hospitaliterordens im Heiligen Land sind die im 12. Jahrhundert errichtete Burg Belvoir und die 1142 übernommene Burg Krak des Chevaliers.

 

Neben den Adeligen Ordensrittern dienten auch eine große Zahl Nichtadelige dem Orden. Diese sogenannten Sergeantenbrüder unterlagen nicht voll den Ordensgelübden und Zugangsvoraussetzungen und wurden auch in Uniform und Ausrüstung unterschieden; so trugen sie z. B. in der Frühzeit braune statt schwarze Mäntel.

Maltesische Botschaft
Maltesische Botschaft

Umzug nach Zypern, Rhodos bzw. Malta 

Nach der Vertreibung aus Palästina 1291 wurde der Sitz des Ordens von Jerusalem nach Zypern, 1309 nach Rhodos und nach der Eroberung der Insel durch die Osmanen (1522) und mehreren Jahren mit vorübergehendem Ordensdomizil in Candia, Messina, Viterbo und Nizza (1527–1529) schließlich 1530 nach Malta verlegt. Seitdem bürgerte sich die Bezeichnung „Malteserorden“ für den Johanniterorden ein.

 

 

 

Vertreibung durch Napoleon 

Von Napoleon wurde der Orden am 11. Juni 1798 aus Malta vertrieben. Um ein Blutbad zu vermeiden (die Malteserritter durften nach ihren eigenen Regeln gegen andere Christen das „Schwert nicht erheben“) und da der Großteil der Ordensritter selbst Franzosen waren, übergab der damalige Großmeister Ferdinand von Hompesch die Insel ohne Gegenwehr an Napoleon.

 

Die französischen Truppen plünderten die Kirchen und Klöster. Die Malteserritter verließen die Insel und emigrierten größtenteils nach Russland, wo Zar Paul I., der ihr Großmeister wurde, ihnen große Ländereien überlassen hatte.

 

Die am 27. März 1802 im Frieden von Amiens von England zugesicherte Rückgabe von Malta an den Orden wurde nicht eingehalten.

 

In großen Teilen Deutschlands, Spaniens, Italiens und Russlands wurde in den Jahren 1805 bis 1811 der gesamte Ordensbesitz eingezogen. Das Großpriorat in Böhmen-Österreich blieb jedoch bestehen, was den Fortbestand des Ordens in dieser schwierigen Zeit sicherte.

 

Der Wiener Kongress bestätigte 1815 den Verbleib Maltas bei England.

 

Der Vertrag von Verona von 1822 sichert den Fortbestand des Ordens als souveräner Staat.

 

 

Ansiedlung in Rom 

Nachdem der Malteserorden sich vorübergehend nach Messina, Catania und im Jahr 1826 nach Ferrara zurückgezogen hatte, ließ er sich 1834 endgültig in Rom nieder.

 

Auf Drängen des österreichischen Kaisers Ferdinand I. wurden dem Malteserorden mehrere seiner Besitzungen in Italien zurückgegeben und 1839/41 die Großpriorate Lombardo-Venetien und Sizilien wiederhergestellt.

 

 

 

Großmagisterium 

Der Sitz des Malteserordens in Rom (Palazzo di Malta in der Via dei Condotti 68 und Villa Malta auf dem Aventin an der Piazza dei Cavalieri di Malta 4) hat seit 1869 den exterritorialen Status einer ausländischen Botschaft.

Palazzo di Malta
Palazzo di Malta

Palazzo di Malta 

Der Magistralpalast des Malteserordens in Rom, auch Palazzo dell'Ordine di Malta genannt, wurde im 17. Jahrhundert aus Werkstein gebaut und ist mit Gesims versehen. Der Malteserorden bezog den Palast 1629, seit 1834 ist er das Regierungsgebäude des Malteserordens.

 

Das Gebäude beherbergte bis 1834 die Botschaft des Malteserordens beim Heiligen Stuhl. Zwischen 1889 und 1894 wurde das Gebäude renoviert und umgebaut. Großteile der Regierung und Administration des Ordens befinden sich in dem Gebäude.

 

Im Innenhof befindet sich ein Pflaster mit einem großen Malteserkreuz.

 

 

Palazzo di Malta , Türschild
Palazzo di Malta , Türschild
Palazzo di Malta , Innenhof mit Brunnen
Palazzo di Malta , Innenhof mit Brunnen

Villa Malta 

Auf dem Gelände an der Piazza dei Cavalieri di Malta 4 befindet sich die Magistralvilla und die Ordenskirche Santa Maria del Priorato, auch Santa Maria de Aventinae (deutsch: Sankt Maria auf dem Aventin) genannt.

 

Blickt man durch das Schlüsselloch des Eingangsportals, das zum Grundstück führt, so erblickt man drei souveräne Völkerrechtssubjekte: den Malteserorden, die Republik Italien und den Vatikan. Hinter dem Portal führt nämlich eine Allee den Blick direkt auf die Kuppel des Petersdoms.

 

Die Magistralvilla, die eigentliche „Villa Malta“, hat mehrere Funktionen. Im Erdgeschoss befindet sich die Botschaft des Ordens bei der italienischen Republik und die Botschaft des Ordens beim Hl. Stuhl.

 

Darüber befinden sich die Repräsentationsräume. Im zweiten Stock sind die Räume des Großpriorats von Rom sowie z.B. der Kapitelsaal, wo alle fünf Jahre das Generalkapitel zusammentritt und auch der Großmeister und die Ordensregierung gewählt werden.

Villa Malta, Eingangstor
Villa Malta, Eingangstor
Villa Malta, Magistralvilla
Villa Malta, Magistralvilla
Villa Malta, Thron
Villa Malta, Thron

Die Kirche erhielt ihren Namen Santa Maria in Aventinae dadurch, dass sie an der Stelle errichtet wurde, wo ein Bildnis der Mutter Gottes gefunden worden war.

 

Odo von Cluny hat sie im Jahr 936 dort errichten lassen. Sie ist auch unter dem Namen S. Maria del Priorato bekannt. Neben Maria werden auch der Ordensheilige Johannes der Täufer und der Hl. Basilius in der Kirche verehrt. 1765 wurde sie nach Plänen von Giovanni Battista Piranesi erneuert. Es handelt sich um sein einziges realisiertes Kirchenprojekt.

 

 

960 Jahre Geschichte

 

 

1048 Jerusalem

Der Orden entsteht im Jahr 1048. Es sollen Kaufleute aus der alten Seerepublik Amalfi gewesen sein, die vom Kalifen von Ägypten die Genehmigung erhielten, in Jerusalem eine Kirche, ein Konvent und ein Hospital zu errichten, in dem den Pilgern ohne Unterschied des Glaubens und der Rasse Schutz und Obdach gewährt werden sollte.

 

Der Orden vom Hl. Johannes zu Jerusalem – die Klostergemeinschaft, die mit der Leitung des Hospitals betraut wurde – erlangt unter der Leitung des Seligen Bruder Gerhard die Unabhängigkeit.

 

Mit der Bulle vom 15. Februar 1113 stellt Papst Paschalis II. das Hospital unter den Schutz des Hl. Stuhles, mit dem Recht, seine Leitung frei zu bestimmen, unabhängig von religiösen oder sonstigen Laienautoritäten.

 

Mit dieser Bulle erlangt der Orden rechtliche Eigenständigkeit gegenüber der Kirche. Die Ritter waren Religiose, verpflichtet durch die drei monastischen Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams.

Mit der Gründung des Königreiches von Jerusalem durch die Kreuzritter wächst dem Orden die Aufgabe des militärischen Schutzes der Kranken, der Pilger und der eroberten muslimischen Gebiete zu.

 

Neben dem Hospitaldienst übernimmt der Orden jetzt auch die Aufgabe der Verteidigung des Christentums. Als Zeichen wird das achtspitzige weiße Kreuz angenommen, das bis auf den heutigen Tag das Zeichen des Ordens ist.

 

 

 

1310 Rhodos

Nach dem Verlust von Akkon im Jahr 1291 - der letzten Bastion der Christenheit im Hl. Land - zieht sich der Orden zunächst nach Zypern und dann, im Jahr 1310, unter der Leitung des Großmeisters Fra` Foulques de Villaret, auf die Insel Rhodos zurück.

 

Zur Verteidigung der christlichen Welt baut der Orden eine mächtige Flotte, mit der er das östliche Mittelmeer kontrolliert und die sich in zahlreichen ruhmreichen Seeschlachten, so vor Syrien und Ägypten, bewährt.

 

Die von Anfang an durch päpstliche Dekrete garantierte Unabhängigkeit von anderen Staaten sowie das allgemein anerkannte Recht, bewaffnete Streitkräfte zu unterhalten, bilden die Grundlage für die internationale Anerkennung der Souveränität des Ordens.

 

Seit Beginn des 14. Jahrhunderts gliedern sich die Institutionen des Ordens und die Ritter, die aus ganz Europa nach Rhodos kommen, in Zungen. Zunächst sind es sieben Zungen:

 

Provence, Auvergne, Frankreich, Italien, Aragon (Navarra), England (mit Schottland und Irland) und Deutschland. Im Jahr 1492 wird eine achte Zunge gebildet, die von Kastilien, die sich zusammen mit Portugal von der Zunge von Aragon getrennt hatte. Jede Zunge hatte ihr Priorat oder Großpriorat, seine Ballei und Kommende.

 

Der Orden wurde vom Großmeister (Fürst von Rhodos) und vom Rat regiert. Er prägte eigene Münzen und unterhielt diplomatische Beziehungen zu anderen Staaten.

Die anderen Zuständigkeiten wurden den Vertretern der verschiedenen Zungen zugewiesen. Der Sitz des Ordens, der Konvent, wurde von Religiosen unterschiedlicher Nationalität gebildet.

 

 

 

1530 Malta

Nach 6 Monaten Belagerung und schweren Kämpfen mit der mächtigen Flotte und dem überlegenen Heer von Sultan Suleiman dem Prächtigen, mussten sich die Ordensritter im Jahr 1523 ergeben und die Insel Rhodos unter ehrenvollem Abzug räumen. Während der folgenden Jahre gebietet der Orden über kein eigenes Territorium.

 

Im Jahr 1530 nimmt der Großmeister Fra` Philippe de Villiers de l`Isle Adam die Insel Malta in Besitz, die Kaiser Karl V. dem Orden mit Zustimmung von Papst Clemens VII. überlässt. Dabei wird vereinbart, dass der Orden bei kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen christlichen Nationen neutral zu bleiben hat.

 

Im Jahr 1565 wehren die Ritter unter der Führung des Großmeisters Fra` Jean de la Vallette (nach dem die Hauptstadt von Malta benannt ist) nach schweren Kämpfen die große Türkische Belagerung ab, die über drei Monate dauerte.

 

 

 

1571 Seeschlacht von Lepanto

Die Flotte des Ordens, die als eine der mächtigsten im Mittelmeer gilt, hat in der Seeschlacht von Lepanto einen wesentlichen Anteil an dem endgültigen vernichtenden Sieg über die osmanische Seemacht im Jahr 1571.

 

 

1798 Exil

Zwei Jahrhunderte später, im Jahr 1798, besetzt Napoleon Bonaparte, auf dem Weg nach Ägypten, Malta wegen seiner strategischen Bedeutung. Die Ritter, durch die Ordensregel gebunden, die es ihnen untersagte, gegen Christen die Waffen zu erheben, sahen sich genötigt, die Insel zu verlassen. Obwohl mit dem Vertrag von Amiens im Jahr 1802 die souveränen Rechte des Ordens ausdrücklich bestätigt wurden, kann der Orden nie mehr auf die Insel zurückkehren.

 

 

1834 Rom

Nachdem sich der Orden vorübergehend nach Messina, Catania und Ferrara zurückgezogen hatte, lässt er sich im Jahr 1834 endgültig in Rom nieder, wo er unter dem Schutz der Exterritorialität steht und in der Via Condotti 68 den Magistralpalast sowie auf dem Aventin die Magistralvilla besitzt.

 

 

20. und 21. Jahrhundert

Die ursprüngliche Mission, der Hospitaldienst, ist nun wieder zur Hauptaufgabe des Ordens geworden. Sie hat im Laufe des vergangenen Jahrhunderts durch die Aktivitäten der Großpriorate und der Assoziationen in aller Welt eine beachtliche Ausweitung erfahren.

 

Während des Ersten und Zweiten Weltkrieges werden die karitativen Aufgaben und der Hospitaldienst unter der Leitung des Großmeisters Fra` Ludovico Chigi Albani della Rovere (1931-1951) intensiviert.

 

Unter den Großmeistern Fra' Angelo de Mojana di Cologna (1962-1988) und Fra' Andrew Bertie (1988-2008), haben die Aktivitäten eine beachtliche Ausweitung erfahren, bis in die entferntesten Regionen der Welt.

 

Will man sich über die heutigen Aktivitäten des Ordens informieren, kann man auf die Seite "Medizinische und humanitäre Aktivitäten" gehen.