Geschichte des Malteserordens,

 

Teil 3

Zeitgeschichte

Mitte des 11. Jahrhunderts gründet sich in Jerusalem eine Bruderschaft des Hl. Johannes des Täufers, die es sich zur Aufgabe machte, die kranken Pilger, welche die Heiligtümer besuchten, zu versorgen.

 

Der 11. Juli 1099 bedeutet einen Einschnitt im Auftrag der, jetzt unter dem Seligen Gerhard geführten, Bruderschaft. Die Kreuzfahrer erobern Jerusalem und verteidigen die Heiligtümer der Christenheit.

 

Viele Pilger werden verletzt und müssen versorgt werden; eine Vergrößerung des Hospitals wird erforderlich und erfreulicherweise treten viele Pilger der Bruderschaft bei, um im Dienst an den Kranken zu helfen.

 

Nachdem die Bruderschaft 1113 von der Kirche die Selbstständigkeit und das Recht erhalten hat, einen eigenen Vorsteher zu ernennen, verfasst der Nachfolger des Seligen Gerhard eine erste Ordensregel.

Der Orden trägt in Anlehnung an den Hl. Johannes den Täufer den Namen „Johanniter“.

 

Nach dem Sitz des Ordens auf der Insel Malta bürgert sich im 16. Jahrhundert die Ordensbezeichnung „Johanniter-Malteser“ ein. Seit der Wiederbegründung des evangelischen Ordenszweiges im Jahr 1852 nennt sich dieser „Johanniterorden“.

 

 

 

Ende des 11. Jhdt.

Gründung der Hospitalbruderschaft des Hl. Johannes zu Jerusalem mit einem Hospiz zur Pflege erkrankter Pilger und einer Kirche wahrscheinlich durch süditalienische Kaufleute.

Ihr erster Vorsteher wird Bruder Gerhard.

 

 

1099

Einnahme Jerusalems durch das Kreuzfahrerheer des ersten Kreuzzugs und Erweiterung des Hospitals.

Viele Ritter schließen sich der Bruderschaft an und leiten damit die Entwicklung zu einem Ritterorden ein.

 

 

1113

Genehmigung der ersten Ordensregel durch Papst Paschalis IL Die Ordensritter (damals „Hospitalritter“ oder „Johanniter“ genannt) übernehmen neben der Krankenpflege den bewaffneten Pilgerschutz und die Verteidigung des Hl. Landes.

Erstmalige Einführung einer Vollversorgung der Kranken in der Ordensregel des Raymond du Puy (um 1140) und der Hospitalordnung des Roger de Moulins (1181).

Ausgehend von dem Jesuswort im Matthäusevangelium (25,40): „Was ihr für einen der geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ werden die Kranken als „Herren Kranke“ bezeichnet.

 

Diese Sicht der Kranken und die Bewertung des Dienstes am Hilfsbedürftigen als Dienst an Christus selber wird bestimmend für die Spiritualität des Ordens.
Verlust von Akko, der letzten Bastion im Hl. Land, und Rückzug des Ordens nach Zypern.

 

 

1291 - 1309

Besetzung der Insel Rhodos; Wiederaufbau der Hospitaldienste und Errichtung eines Hospitals mit einer Krankenpflegeschule in Rhodos; Ausbau starker Befestigungsanlagen gegen die Türken und Ausbau einer Flotte.

Der Orden wird reorganisiert, um die Verwaltung der weiter steigenden Zahl von Niederlassungen (Kommenden) in Europa zu verbessern.

Die Repräsentanz der verschiedenen Regionen (Zungen) in der Regierung des internationalen Ordens wird durch die Zuweisung verschiedener Aufgaben gewährleistet.

Nach mehreren Angriffen und Belagerungen durch die übermächtigen Türken muss Rhodos aufgegeben werden.

 

1523

Der Orden erhält von Kaiser Karl V die Insel Malta und nimmt seine bisherigen Aktivitäten wieder auf. Eiligst werden ein Hospital und Befestigungen errichtet.
  

 

1530

Die Belagerung durch eine große türkische Übermacht bricht zusammen. Dieser Erfolg ist neben der Tapferkeit der Ritter auf die fortschrittliche Wundmedizin und Hygiene zurückzuführen.

 

 

1565 -1571

In der Seeschlacht von Lepanto werden die Türken unter Beteiligung der Ordensflotte vernichtend geschlagen. Nach Wegfall der äußeren Bedrohung durch die Türken beginnt ein schleichender moralischer Niedergang des Ordens. Medizin und Krankenpflege werden jedoch weiter ausgebaut.

 

1768

Errichtung der Universität von Malta mit medizinischer Fakultät und Schule für Pharmakologie. Schwerpunkte liegen bei der Schiffsmedizin und der Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Der Begriff „Quarantäne“ (40tägige Isolierung) stammt aus der Ordensmedizin.

1798

Napoleon Bonaparte zwingt den Orden zum Verlassen der Insel und stürzt diesen in eine schwere Krise.

1834

Rom wird neuer Sitz des Ordens. Der Orden behält trotz Verlust seines Staatsgebiets die Souveränität und unterhält seitdem mit zahlreichen Staaten diplomatische Beziehungen.

 

 

 

seit Mitte
des 19. Jhdt.

 

Die Aktivitäten des Ordens auf caritativem Gebiet werden wieder aufgenommen und ausgebaut. Heute hat der Orden die größte Ausdehnung seiner Geschichte. In ca. 42 Ländern gibt es Ordensgliederungen und in rund 100 Ländern ist der Orden durch caritative Werke vertreten. Zu seinen Aufgaben gehören insbesondere: Organisation und Unterhalt von Krankenhäusern und Dispensarien.

 

In Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika gibt es eine große Anzahl von Einrichtungen des Ordens, die dem Gesundheitswesen dienen. Verschiedene nationale Ordensassoziationen zum Beispiel Belgien, Ungarn, Frankreich haben begonnen, sich der Obdachlosen anzunehmen.

Immer mehr Assoziationen führen oder unterstützen Hospizinitiativen und/oder fördern die Hilfe für Drogenabhängige. In Brasilien wird eine Malteser fugend mit jugendlichen aus „favellas“ aufgebaut.

 

Auf internationaler Ebene wird besondere Hilfe den Opfern der Tropenkrankheiten und darunter insbesondere den Leprakranken gegeben. Der Orden verwaltet verschiedene Zentren für die Leprabehandlung und die soziale Rehabilitation der Leprakranken (CIOMAL).

 

Verschiedene nationale Ordensgliederungen haben ihre Hilfe gebündelt unter dem Namen ECOM (Emergency Corps of the Order of Malta) und sind in Kriegs- und Krisengebieten gemeinsam aktiv. Alle internationalen Aktivitäten des Ordens werden koordiniert durch AIOM (Action International of the Order of Malta).

Seit Anfang der 90iger Jahre führt der Orden ein geburtshilfliches Krankenhaus in Bethlehem.

Der Orden als Souverän unterhält diplomatische Beziehungen zu weltweit 90 Staaten sowie Vertretungen bei internationalen Organisationen (Vereinte Nationen, UNESCO, Europarat, EU, WHO, etc.). Insgesamt ist er in neun UNO-Organisationen vertreten und von 95 Staaten diplomatisch anerkannt. Er unterhält in 75 Staaten Botschaften.

 

Die Zusammenarbeit mit anderen internationalen Hilfsorganisationen

(NGO = Non Govemmental Organisations) ist selbstverständlich.