Der Orden im 13. Jahrhundert

Kopie eines Siegels der Tempelritter
Kopie eines Siegels der Tempelritter

Nach dem 3. Kreuzzug kam erstmals Kritik am Kreuzzugsgedanken auf. Der Verlust Jerusalems ließ alles auf einen Schlag zusammenbrechen. "Deus non vult ...", "Gott will ihn nicht!" - So argumentierte der englische Geistliche Ralph Niger.

 

Dennoch mobilisierte sich der Okzident erneut. Man glaubte den ersten Kreuzzug wiedererleben zu können. In den folgenden Jahren wurde der Kreuzzugsgedanke durch seine Förderer in eine gefährliche Richtung gelenkt.

 

Der 4. Kreuzzug, eigentlich gegen Ägypten gedacht, führten die Kreuzritter gegen die Griechen von Byzanz.

 

Viele Päpste des 13. Jahrhunderts bedienten sich ihrer, um sich lästiger Gegner innerhalb Europas zu entledigen.

Auch die Ritterorden blieben von Kritik nicht verschont, war es doch ihre eigentliche Aufgabe, die Stätten des Heiligen Landes zu verteidigen.

 

Doch die Muslime hatten ja das Zentrum der christlichen Pilger, Jerusalem, zurückerobert.

Die ewigen Streitereien unter den großen Ritterorden trugen ebenfalls nicht zur Förderung ihres Ansehens bei. Die Rufe nach einem großen, gemeinsamen Orden wurden immer lauter.

 

Erste konkrete Gespräche gab es aber erst 1274 auf dem Konzil von Lyon, nachdem der Papst bereits durch zahlreiche Denkschriften vorbereitet war.

 

Die Idee wurde aber wieder verworfen, denn einige Konzilsteilnehmer hatten vor, alle Ritterorden, einschließlich der iberischen, zusammenzuschließen, während andere sich nur für die Verschmelzung der Orden im Heiligen Land aussprachen.

 

Erst nach dem Fall von Akkon wurde ein Zusammenschluss wieder von einigen regionalen Konzilen in Erwägung gezogen - zu spät wie sich herausstellte.

 

Ein Grund für das Scheitern dieses Planes war auch die andauernden politischen Differenzen zwischen den beiden größten Ritterorden, die sich in etlichen Konflikten äußerten.

Die großen italienischen Hafenstädte hatten ihre Rivalitäten in den Orient verlagert. Vor allem Genua und Venedig gerieten immer wieder aneinander. In Akkon verfügten die beiden über eigene Stadtviertel, die weitgehend autonom waren. Beide Viertel lagen am Hafen, neben denen der Ritterorden.

 

Um 1250 brach der Konflikt zwischen den beiden Städten offen aus.

Es ging um eine Anhöhe in Akkon, von der aus man den Zugang zum Venezianerviertel kontrollieren konnte.

 

Zunächst waren die Genueser im Vorteil, doch 1256 reagierte Venedig hart und entschlossen. Die Stadt schloss ein Bündnis mit Pisa und setzte eine große Flotte in Marsch, die den Hafen von Akkon angriff und das Genueserviertel brandschatzte.

 

Die geistlichen Ritterorden nahmen zunächst eine vorsichtige, abwartende Haltung ein, stürzten sich dann aber in die Schlacht, natürlich jeweils in den entgegengesetzten Lagern, nachdem sie zuvor vergebliche Vermittlungsversuche unternommen hatten.

Erst zu diesem Zeitpunkt entschieden sich die Johanniter für Genua. Gerhard von Montréal berichtet in seiner "Chronik des Templers von Tyrus", dass "man den Venezianern und Pisanern riet, den Templermeister Bruder Thomas Bérard aufzusuchen, der sich in das Haus des Hl. Lazarus begeben hatte, um fern der Schlacht und der Kriegsmaschinen zu sein, denn das Templerhaus lag in der Nähe des Hauses der Pisaner."

 

Die Templer verbündeten sich schließlich auch mit Venedig.

 

Im Frühling 1258 wollte Genua einen großen Schlag führen: Seine Flotte sollte in den Hafen einlaufen, während sein Verbündeter Philipp von Montfort mit Hilfe der Hospitaler auf der Landseite in die Stadt vordringen sollte.

Doch die venezianische Flotte Lorenzo Tiepolos griff die genuesische an, und um Montforts Eindringen zu verhinden, wandten sich die Venezier an den Templerorden:

 

 

Der Meister versprach ihnen, er gebe ihnen solange Templerbrüder und andere Krieger, die ihre Straßen und Häuser bewachten, solange die Seeschlacht dauern würde.

 

Und wie er gesagt hatte, geschah es [...]. Die Brüder bestiegen ihre Pferde, ebenso die Turkopolen und die anderen, und ritten mit aufgepflanztem Banner aus, die beiden Straßen der Pisaner und Venezianer zu schützen.

 

 

Venedig siegte auf ganzer Linie.

 

Dies ist nur ein Beispiel von vielen, wie unterschiedlich Templer und Johanniter auf politischer Ebene agierten, doch im gemeinsamen Kampf ergänzten sie sich perfekt.

1217 und 1248 stimmten beide überein, Ägypten als Angriffsziel der Kreuzfahrer zu bestimmen. Doch zwischen 1239 und 1254 trennte die Bündnisfrage die beiden Ritterorden.

 

Der von Friedrich II. für eine Dauer von zehn Jahren geschlossene Vertrag lief 1239 aus.

 

Ein neuer Kreuzzug unter Führung Theobalds von Navarra wurde organisiert. Damaskus und Ägypten waren zu dieser Zeit Rivalen, man musste sich für einen Gegner und ein Bündnis entscheiden.

 

Theobald entschied sich nicht und wollte erst Ägypten, dann Damaskus angreifen. Er hörte nicht auf den Rat der Lateiner des Orients und der Ritterorden.

 

Die Folge war eine erbärmliche Niederlage bei Gaza, für die man Templer und Johanniter verantwortlich machte.

 

Man warf ihnen ihre vernünftige Zurückhaltung als Schwäche vor. "Hätten das Hospital und der Tempel und die Ritterbrüder unseren Reitern beim Angriff ein Beispiel gegeben, unsere große Ritterschaft wäre nicht im Gefängnis ...".

 

Der Templerorden hatte damals für ein Bündnis mit Damaskus votiert, die Johanniter mit Kairo.

 

Ende der 1250er Jahre fielen die Mongolen in den Nahen Osten und in Osteuropa ein. Die Christen betrachteten diese als ebenso große Gefahr wie die Muslime und ließen notgedrungen mamelukische Truppen aus Ägypten durch ihr Gebiet ziehen.

 

Im Februar 1261 versuchten die Templer und die Barone des Morgenlandes das von den Mongolen hinterlassene Machtvakuum auszunützen und griffen die Turkomanen an.

 

Doch sie scheiterten und ermöglichten dem Mameluckensultan Baibars damit die Chance, eine mächtige und langandauernde Offensive gegen die lateinischen Festungen zu lancieren.

Die Ruinen der Burg von Safed heute
Die Ruinen der Burg von Safed heute

Die großen Wehranlagen der Ritterorden brauchten nämlich zu ihrer wirkungsvollen Verteidigung eine große Besatzung. Die Lateiner jedoch hatten immer größere Schwierigkeiten, solche Garnisonen zusammenzubekommen.

 

1262 kam es zu einer weiteren Übereinkunft zwischen dem Templerorden und dem Johanniterorden, in der sich diese verpflichteten, alle ihre Streitigkeiten über Besitztümer im gesamten lateinischen Orient beizulegen.

 

Doch um 1265 startete Baibars seine Angriffe gegen die Lateiner und deren Befestigungen, die er mit Gewalt, vor allem aber mit Hinterlist und Verrat in seine Hand brachte. Die Offensive sollte bis 1275 dauern und den Untergang des Königreichs von Jerusalem besiegeln.

 

1266 belagerte Baibars die Burg Safed. Die von Rammböcken und Steinschleudern schwer beschädigte Wehranlage hielt allen Sturmangriffen stand. Doch am 22. Juli ergab sich die Besatzung. Ein falsches Versprechen Baibars und der Verrat des Templerunterhändlers hatten ihr Werk getan.

 

Am 15. April 1268 nahm er im Sturmangriff die Burg Beaufort ein, von wo er dann nach Antiochia zog, das er im selben Jahr eroberte.

Die Templer waren gezwungen, die Plätze Baghras und Roche-Roissel zu übergeben, von wo aus man die Schluchten von Kilikien kontrollieren konnte. 1271 fiel der Krak der Chevaliers, wiederum durch Hinterlist und Verrat: Baibars ließ ein falsches Sendschreiben des Grafen von Tripolis fabrizieren.

 

Die Lateiner sollten sich noch zwanzig Jahre halten, geklammert an die stark verteidigten Städte und an die Küstenfestungen, bevor die Muslime zum Endschlag ausholten.