Der Orden im Orient

Der Templerorden teilte sich zusammen mit den Johannitern die Verteidigung des Heiligen Landes und der neueroberten Gebiete. Ähnlich wie auf der iberischen Halbinsel wurden dem Templerorden die neuen Territorien übergeben, um sie vor den Türken zu schützen und sie bewohnbar zu machen.

 

Erobert wurde nur, was auch wirklich verteidigt werden konnte. Die meisten Burgen und Wehranlagen waren in den Händen der Ritterorden, viele davon erbauten die Templer selbst, mit Hilfe örtlicher Architekten und von Arbeitern, die häufig verschleppte oder gefangengenommene Muslime waren.

 

Die Bauten des 13. Jahrhundert spiegeln den Defaitismus wider, der in dieser Zeit im Heiligen Land herrschte: riesige Festungen und ausgedehnte Fluchtburgen, dazu bestimmt, langen Belagerungen standzuhalten, ausgestattet mit großen Lagern, Silos und Brunnen.

 

"Die pure Stärke dieser befestigen Plätze ist der ausschlaggebende Beweis für die Schwäche und den Pessimismus der Kreuzfahrerreiche: man verzichtet auf die Offensive und sucht den Feind nicht mehr."

 

Schon rund hundert Jahre, bevor die Johanniter einen eigenen Staat auf Rhodos errichteten, hatten die Templer die Möglichkeit, einen eigenen Templerstaat auf Zypern zu gründen. Nachdem Richard Löwenherz die Insel während des 3. Kreuzzugs erobert hatte, verkaufte er sie den Templern, da er keine Verwendung dafür hatte.

 

Die Templer waren auf die Aufgabe, eine ganze Insel zu regieren, schlecht vorbereitet und den rund hundert stationierten Templern gelang es nicht, die Lage unter Kontrolle zu halten.

 

Im April 1192 kam es zu Aufständen in der griechischen Bevölkerung und die verzweifelten Templer gaben die Insel an König Löwenherz zurück, der sie daraufhin Guido von Lusignan schenkte.

 

Die Templer begnügten sich nun damit, sich auf der Insel niederzulassen, so wie anderswo auch: sie erwarben Grundbesitz, Burgen und erhielten diverse Schenkungen und Abtretungen. Nach dem Fall Akkons wurde die Insel zu einem strategisch wichtigen Rückzugspunkt der Lateiner, der Templer und der Hospitaliter.

 

Auch im Orient agierten die Templer auf ähnliche Weise wie im Abendland als Geldleiher. Einigen Theorien zu Folge fand der Templerorden in Syrien-Palästina beträchtliche finanzielle Resourcen, die aus der Bewirtschaftung seiner Güter im Heiligen Land stammten, aus Schenkungen der Pilger und Kreuzfahrer in Jerusalem, von Tributen und Lösegeldern der Ungläubigen sowie aus der dort gemachten Beute, und schließlich aus Bankgeschäften.

 

Andere Quellen behaupten, dass der Templerorden im Orient nicht über horrende Summen verfügte und selbst Kredit aufnehmen musste, um Geld zu verleihen, in erster Linie bei italienischen Bankiers.

 

Vor den Kreuzzügen handelten die italienischen Kaufleute im östlichen Mittelmeer. Die Kreuzzüge und die Errichtung der lateinischen Staaten führten zu einigen Veränderungen: die Handelsbeziehungen zwischen den lateinischen Küstenstädten und dem muslimischen Hinterland wurden zwar nicht unterbrochen, aber schwieriger.

 

Der Fernhandel zwischen Orient und Okzident wurde hingegen keineswegs beeinträchtigt vom Kreuzzug, sondern erlebte einen bemerkenswerten Aufschwung.

 

Auch der Templer- und Johanniterorden waren in diese Handelsströme eingebunden, die europäischen Häuser lieferten den Ordenshäusern ihren Produktionsüberschuss: Lebensmittel, Pferde, Geld und Kämpfer.

 

Zurück bekamen sie meist Gebrechliche, Kranke und Greise, die sie in ihren Hospitälern im Abendland versorgten.

 

Die Ritterorden waren auch die größten Informanten, denn das Netzwerk ihrer Ordenshäuser erwies sich als sehr effizient.

 

Um neue Brüder zu rekrutieren, musste man den Menschen im Abendland unablässig die schwierige Lage im Heiligen Land, das Unglück der orientalischen Christen, die Aggressivität der Muslime in Erinnerung rufen.