Der zweite Kreuzzug unter Führung der Templer

Im Jahr 1139 schaffte es der islamische Fürst Imad ad-Din Zengi, die Moslems Nordsyriens zu vereinigen und richtete seinen Feldzug gegen Damaskus. Nach einmonatiger Belagerung eroberte er schließlich Edessa im Jahr 1144.

 

Durch die Einnahme der Hauptstadt zerbrach die Grafschaft Damaskus, was im Abendland große Entrüstung hervorrief.

 

Papst Eugen III. veröffentlichte daraufhin im folgenden Jahr verschiedene Kreuzzugsbullen, in denen er zu einem 'reinen' französischen Kreuzzug unter der Führung des französischen Königs Ludwig VII. aufrief und an dem nur professionelle Kämpfer teilnehmen sollten, was das starke Kontingent französischer Templer erklärt.

 

Der endgültige Auslöser für einen neuerlichen Kreuzzug waren die Kreuzzugspredigten des Hl. Bernhards. Er konnte damit sowohl den deutschen Kaiser Konrad III. als auch etliche Nichtkämpfer gewinnen.

Tempelritter
Tempelritter

Die Templer beschlossen ihre Beteiligung am 27. April 1147 auf dem Kapitel von Paris und wurden vom Meister der Miliz in Frankreich, Eberhard von Barres, befehligt.

 

Zur gleichen Zeit gewährte der Papst den Templern das Recht, ständig das Kreuz auf ihrem Habit zu tragen.

 

Das deutsche Heer zog als erstes über Ungarn nach Byzanz. Die Franzosen folgten ihm wenig später, doch als sie in Konstantinopel ankamen, stießen sie nur mehr auf die Überreste des deutschen Kreuzzugskontingents, das von den Seldschuken vernichtend geschlagen worden war.

 

Als Ludwig VII. mit seinem Heer durch die Berge Kleinasiens zog, löste sich die Vorhut unter der Führung von Gottfried von Rancogne vom Hauptheer ab, das mit einem Troß von Gepäck und Nichtkämpfern belastet war.

Daraufhin kam es zu heftigen Angriffen der Türken, die in diesem unwegsamen Gelände den schweren Kreuzrittern überlegen waren.

 

Der König von Frankreich entschied sich deshalb die Führung des Heeres den Templern zu überlassen. Durch ihren Mut und ihre Disziplin schafften sie es, das Heer ohne gröbere Verluste bis nach Attalia (heutiges Antalya) zu bringen.

 

Gleichzeitig konnten sie ihren Gegnern sogar empfindliche Niederlagen zufügen. Eudes von Deuil, ein Mönch, der als Kaplan des französischen Königs am Kreuzzug teilnahm, schilderte die Ereignisse wie folgt:

 

Der Templermeister Eberhard von Barres, ein achtbarer Mann wegen seines frommen Charakters und tüchtiges Vorbild für alle Ritter [...] hielt den Türken mit Hilfe seiner Brüder stand, die mit Weisheit und Mut über die Verteidigung dessen wachten, was ihnen gehörte, und schützte auch mit all seiner Macht und kraftvoll das, was den anderen gehörte.

 

Dem König gefiel es seinerseits, ihnen bei ihrem Tun zuzuschauen und ihnen nachzueifern, und er wollte, das ganze Heer solle sich bemühen, ihrem Beispiel zu folgen, wohlwissend, daß, wenn der Hunger die Kräfte der Männer untergräbt, allein gemeinsames Streben und aller Mut die Schwachen unterstützen kann.

 

Es wurde also mit Zustimmung aller beschlossen, daß sich in dieser gefährlichen Lage alle in gegenseitiger Brüderlichkeit mit den Templerbrüdern vereinen, daß Arme wie Reiche sich bei ihrem Glauben verpflichteten, das Lager nicht zu fliehen und in allen Dingen den ihnen gegebenen Meistern zu gehorchen.

 

Doch die Brüderlichkeit zwischen den Kreuzrittern hielt nicht lange. Ludwig musste einen Teil seines Heeres in Attalia zurücklassen und schiffte sich nach Antiochia ein.

 

Der Feldzug gegen Damaskus endete jämmerlich. Das christliche Heer erlitt eine schmerzliche Niederlage und die wenigen Überlebenden zogen verbittert zurück ins Abendland.

 

Der zweite Kreuzzug wurde zu einem großen Debakel für das Christentum und verschlechterte zudem die Beziehung zwischen den Kreuzfahrern und den Lateinern des Heiligen Landes. Auch der Hl. Bernhard blieb von Kritik nicht verschont.

 

Herausragend war allerdings die Tapferkeit der Templer und ihres Anführers Eberhard von Barres in den Bergen Kleinasiens. Eberhard wurde daraufhin 1149 zum Großmeister des Templerordens gewählt.