Die Strukturen des Ordens

 

Ordensregeln und Privilegien

Templerwappen
Templerwappen

Bevor Hugo von Payns nach Europa reiste, waren die Ordensregeln nur bedingt geregelt. Es gab den Großmeister und seine Brüder, die alle nach festen Gebräuchen lebten. Dazu gehörten die drei Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams, die jeder Templer vor seinem Eintritt in den Orden abgeben musste.

 

Weiters war geregelt:

gemeinsame Mahlzeiten; Fleisch dreimal in der Woche; die Stellung der Dienstleute und Knappen; die täglichen religiösen Pflichten.

 

Doch die ersten Erfolge zwangen den Orden, sich besser zu organisieren.

Von der Disziplin der Brüder hing die Schlagkraft der Tempelritter ab.

 

Am 13.Jänner 1129 versammelten sich Vertreter der Kirche, des Templerordens und der weltlichen Herrscherschaft in Troyes, um ein überarbeitetes Regelwerk für den Orden zu erstellen.

Unter ihnen waren Kardinal Matthias von Albano, päpstlicher Legat in Frankreich, die Erzbischöfe von Reims und Sens, mehrere Äbte, unter anderem der Hl. Bernhard von Clairvaux, der als großer Unterstützer der Templer galt, einige Laien, Theobald von Blois, Graf der Champagne, Andreas von Baudement, Seneschall der Champagne, und der Graf von Nevers, einer der Kreuzfahrer von 1095.

 

Es wurde ein ausführliches Regelwerk ausgearbeitet, welches später vom Deutschritterorden übernommen wurde.

 

An oberster Stelle der Hierarchie stand der Großmeister. Die Brüder hatten dem Großmeister vollen Gehorsam zu leisten, konnten ihn allerdings auch selber wählen.

 

Dieser wiederum war laut Artikel 96 verpflichtet, bei Entscheidungen ein Kapitel einzuberufen, das ihn beraten sollte: "Alles tut der Meister auf den Rat des Konvents hin, er soll die Gemeinschaft der Brüder um ihren Rat bitten und den Beschluss fassen, auf den sich die Mehrheit der Brüder und er selbst verständigen."

Sein Stellvertreter und zweithöchster Würdenträger des Ordens war der Seneschall, der aber durch den Marschall in seiner Bedeutung verdrängt wurde. Der Marschall überwachte die Versorgung der Tiere, den Unterhalt von Material und die Pflege der Waffen.

 

Seine Rolle war besonders wichtig während der Feldzüge, denn alle "dienenden Brüder und alle Kriegsleute unterstehen im Felde dem Befehl des Marschalls."

 

Der Komtur des Königreichs Jerusalem nahm die Funktion des Ordensschatzmeister wahr. Er erhielt die Beute aus den Feldzügen, außer den Pferden und Waffen, die dem Marschall zustanden.

 

Er zeichnete für die Verbindung Jerusalems mit den Komtureien im Okzident verantwortlich und verteilte die Templer auf die verschiedenen Häuser und Festungen des Ordens, je nach ihren Fähigkeiten und den Erfordernissen des Krieges.

 

Der nächste in der Hierarchie war der Komtur der Stadt Jerusalem, der für die ursprüngliche Mission, den Schutz der Pilger, zuständig war.

 

Zusätzlich wurden Kapitel einberufen, um über die Situation im Orden genauestens Bescheid zu wissen. Es gab wöchentliche lokale Kapitel, das jährliche Provinzkapitel sowie das Generalkapitel, zu dem alle fünf Jahre die Würdenträger des Heiligen Landes und des Abendlandes zusammentraten.

 

Durch die Verzögerung, die eine vorzeitige Einberufung des Generalkapitels bewirkt hätte, wurde der Großmeister nur von den Templern des Heiligen Landes gewählt.

 

Die Stellung eines Tempelritters im Orden wurde durch die Anzahl seiner Pferde veranschaulicht. Während ein Krieger Anspruch auf drei Pferde hatte, musste ein Knappe mit einem Vorlieb nehmen. Die höheren Würdenträger besaßen sogar vier Pferde.

 

Dem Großmeister wurde zudem noch ein turkomanisches Pferd zugesprochen, jenes Pferd orientalischer Herkunft, das im Gefecht seinesgleichen suchte. Der Marschall wurde auf Grund seiner militärischen Verantwortung ebenso ausgestattet und hatte somit ein Pferd mehr, wie der eigentlich zweitranghöchste, der Seneschall.

 

Pferde bildeten somit wegen ihrer Bedeutung für die Kampfkraft der Templer eine entscheidende Rolle im Aufbau des Templerordens.

 

Der Eintritt in den Orden war jedem gestattet, doch um Tempelritter zu werden, musste man zuvor die Schwertlilie empfangen haben und der Sohn eines Ritters bzw. der Nachkomme eines Ritters in der männlichen Linie sein. Erfüllte man diese Vorraussetzungen, folgte ein strenges Einführungszeremoniell.

 

Bei der Aufnahme, die dem Ritual des feudalen Lehnseids nachgebildet war, waren gewöhnlich mehrere Ordensbrüder anwesend. Der Templer Guigue Adhemar schilderte die Zeremonie so.

 

Er wurde in eine Kammer geführt, in die wiederum zwei Ordensbrüder traten, um, streng nach Artikel 657, den Bewerber zu fragen, ob er "die Gemeinschaft des Templerordens begehrt und ob er an seinem geistlichen und weltlichen Werken teilhaben will."

 

Er bejahte dies und so antwortete einer der beiden Brüder:

 

 

Ihr begehrt, was groß ist, und ihr kennt die harten Vorschriften nicht, die in diesem Orden befolgt werden.

 

Ihr seht uns mit schönen Gewändern, schönen Pferden, großer Ausrüstung, aber das strenge Leben des Ordens könnt ihr nicht kennen; denn wenn ihr auf dieser Seite des Meeres sein wollt, so werdet ihr auf die andere Seite des Meeres geschickt, und umgekehrt; wollt ihr schlafen, so müsst ihr wachen, und hungrig müsst ihr fortgehen, wenn ihr essen wollt.

 

Ertragt ihr all dies zur Ehre, zur Rettung und um das Heil eurer Seelen willen?

 

 

Als nächstes wurde Guigue gefragt ob er katholischen Glaubens sei, ob er sich in Übereinstimmung mit der römischen Kirche befinde und ob er in einem Orden verpflichtet oder durch Ehebande gebunden sei.

 

Ebenso wurde er nach körperlichen Gebrechen, die seinen Dienst im Ordenshaus oder im Kampf beeinträchtigen könnten, gefragt.

 

Daraufhin wurde der Meister über das positive Ergebnis der Befragung informiert und der Anwärter barhäuptig vor ihn geführt.

Kniend und mit zusammengelegten Händen sprach Guigue folgende Bitte aus:

 

 

Herr, ich bin vor euch und vor die Brüder getreten, die mit euch sind, um Aufnahme in die Gemeinschaft des Ordens zu erbitten.

 

 

Jeder Bewerber musste schwören, immer den Christen zu helfen, niemals den Orden ohne Einwilligung seines Meisters zu verlassen und das ihm anvertraute Templergut zu behüten.

Dann wurde ihm noch gestattet, seine Eltern und zwei oder drei Freunde zu bestimmen, für die der Orden während seiner Abwesenheit sorgen würde. Dabei wurde dem Bewerber der Mantel umgelegt, bevor dieser vom Meister, danach von den übrigen Anwesenden, auf den Mund geküsst wurde.

 

Nachdem der Bewerber nun offiziell aufgenommen war, legte der Meister dem neuen Bruder die Ordensdisziplin dar und stellte die wichtigsten Regeln vor. Zu denen gehörten auch die drei Gelübde der Keuschheit, des Gehorsams und der Armut.

 

Mit den Worten "Gehet hin, Gott wird Euch besser machen" beendete der Meister die Aufnahmezeremonie.

 

Die Ordensregeln der Templer waren zwar denen der Cluniazenser oder anderer Mönchsorden ähnlich, doch mussten sie die speziellen Bedingungen im Heiligen Land berücksichtigen. Es gab keinen Unterschied in den Ordensregeln im Abendland gegenüber denjenigen des Orients.

Die Askese der Templer war den besonderen Lebensbedingungen des Mönchssoldaten angepasst. Ein Templer führte das harte Leben im Feldlager und sollte sich von allen asketischen Praktiken hüten, die seine Gesundheit gefährdeten.

 

Er sollte Kleider tragen, die der starken Hitze wie der Kälte angemessen waren, und er hatte Anspruch auf weiches Bettzeug. In ihrer ersten Fassung empfiehlt die Regel den Brüdern auch, beim Gottesdienst lieber sitzen zu bleiben.

 

Der Templer nahm zwei Mahlzeiten am Tag ein, außer in der Fastenzeit. Der Präceptor einer Komturei konnte eine dritte Mahlzeit zulassen. Der Templer aß dreimal in der Woche Fleisch. "Man gebe allen Brüdern oft zwei Gerichte, damit diejenigen, die das eine nicht essen, vom anderen nehmen können; oder auch drei Speisen, wenn die Häuser im Überfluss haben und die Komture es wollen.

 

Vor dem Konzil von Troyes trugen die Templer ihre gewöhnliche, weltliche Kleidung. Erst nach der Ordensreform wurde der weiße Habit, wie ihn die Cluniazinser- oder Zisterziensermönche trugen, eingeführt.

 

Das Tragen des bekannten roten Templerkreuzes wurde den Templer erst 1147 durch ein Privileg von Papst Eugenius III. gestattet. Das Kreuz an der Kutte war ein Teil des Kreuzzugsgelübdes und symbolisierte die ständige Bindung der Templer an diesen Eid.

 

Die Ritterorden hatten von Anfang an besondere Vorrechte, die ihnen die Päpste einräumten. 1139 erwirkte Robert von Craon, der Hugo von Payns als Großmeister folgte, vom Papst die Bulle 'Omne datum optimum'.

 

In dieser wurden die bisherigen Privilegien des Ordens zusammengefasst und ergänzt. Am wichtigsten war dabei, daß die Templer ohne Zwischengewalt dem Papst unterstellt wurden.

 

Sie waren damit unabhängig von jeglicher bischöflicher Weisungsgewalt, im speziellen vom Patriarchen von Jerusalem, der bis zu diesem Zeitpunkt hohe Autorität im Templerorden besaß.

 

Zudem besagte die Bulle, dass

 

 

- der Großmeister allein von den Brüdern gewählt wird

- die Autorität des Meisters über die Brüder verstärkt wird

- niemand den Orden ohne der Zustimmung des Großmeisters verlassen kann

- die neuen Statuten nur vom Großmeister geändert werden können

- die Templer das Recht erhielten, ihre eigenen Priester zu haben

- sie vom Zehnten freigestellt wurden

- sie dazu ermächtigt waren, Spenden zu sammeln und Almosen zu erbitten.

 

 

Vor allem die Freistellung vom Zehnten führte zu großem Ärger beim Säkularklerus. Dies sollte noch zu heftigen Konflikten zwischen den Templer und den Weltklerikern führen.

 

In der Folgezeit wurden weitere Bullen veröffentlicht, welche die Privilegien bestätigten oder erweiterten. So erlaubte zum Beispiel die Bulle 'Milites Templi' den Ordensgeistlichen, einmal im Jahr in den unter Interdikt stehenden Regionen Messen abzuhalten.

 

Dabei kamen überdurchschnittlich viele Gläubige, die dem Orden eine große Menge spendeten. Auch dieses Privileg wurde von den lokalen Priestern und Bischöfen mit Argwohn aufgenommen.

1145 erschien die Bulle 'Militia dei' und ermächtigte den Orden zum Besitz eigener Kirchen und Friedhöfe. Die meisten dieser Privilegien teilten die Templer mit den anderen geistlichen Ritterorden, die denselben Anfeindungen der Kleriker ausgesetzt waren.

 

An den päpstlichen Verordnungen sollte sich bis zum Verbot des Templerordens nichts Wesentliches ändern. Sicher ist, dass diese, für viele maßlosen Bevorzugungen einer der wesentlichen Gründe war, die zur Anklage des Ordens führten.