Komtureien im Abendland

Die ersten Schenkungen bestanden aus den Vermögen und Ländereien der ab 1127 in den Orden eingetretenen Templer, die, dem Armutsgelübde folgend, ihr gesamtes Hab und Gut dem Orden vermachten.

 

Die Vertreter auf dem Konzil von Troyes sowie Personen aus allen Ständen folgten diesem Beispiel, sodass sich bald die unterschiedlichsten Schenkungen häuften. Diese gingen von geringen Geldbeträgen bis zu großen Ländereinen.

Im Jahr 1147 trat Roger von Béziers "sein Campagne genanntes Gut ab, das in der Grafschaft Razès liegt, am Fluß Aude, der mitten hindurch führt [...] mit all seinen Bewohner, Männern, Frauen, Kindern, seinen Gefällen und Abgaben, seinem Ackerland, seinen Wiesen, Weideland und Buschwerk, seinem bestellten und unbebauten Land, seinen Wassern und Aquädukten, mit allen Mühlen und Mühlenbannen, die Fischteiche mit allen Rechten.

 

Die Tempelbrüder schulden mir auf ihrem Besitz weder Gefälle noch Treugeld, weder Weg- noch Durchgangszoll."

 

Die Grafen von Flandern traten dem Orden die "reliefs de Flandre" ab, die Abgaben, die bei Wechsel des Lehensbesitzers gezahlt wurden.

Doch schon vor dem Konzil von Troyes unternahmen Hugo von Payns und seine Gefährten getrennt voneinander eine Werbereise - während der dann das Konzil von Troyes stattfand -, die der Propaganda, der Anwerbung und der Sammlung von Schenkungen diente.

 

Hugo selbst verbrachte den Großteil seiner Reise in der Champagne, in Anjou und in Maine. Graf Fulko V. machte dem Orden eine der ersten Schenkungen.

 

Gleichzeitig überbrachte Hugo von Payns ihm das Angebot von Balduin II., dem König von Jerusalem, seine Thronfolge zu übernehmen. Er nahm das Angebot zur Freude der Tempelritter, die mit ihm ein freundschaftliches Verhältnis hatten, 1128 an und reiste daraufhin ins Heilige Land.

Weitere Stationen Hugo von Payns waren Poitou und die Normandie, wo er von Heinrich I. herzlich empfangen und nach England gesandt wurde. "[...] Er wurde von allen Männern von Stand empfangen, und sie machten ihm Geschenke und in Schottland wurde er ebenso empfangen.

 

Außerdem sandten sie große Reichtümer in Gold und Silber nach Jerusalem."

 

Nachdem er Flandern bereiste, kam Hugo in die Champagne zurück, begleitet von vielen Rittern aus ganz Europa, die bereit waren, in den Orient zu ziehen oder sogar in den Orden einzutreten.

 

Ähnliche Erfolge konnten die übrigen Templer, die mit Hugo aufgebrochen waren, verzeichnen. Gottfried von Saint-Omer war schon vor ihm in Flandern. Pagan von Montdidier zog durchs Beauvaisis und seine Heimatgegend.

 

Hugo Rigaud, einer der ersten, der nach dem Konzil von Troyes in den Orden eingetreten war, zog durch Südfrankreich und hatte dort derart große Erfolge, dass er die iberische Halbinsel dem Neuling Raimund Bernhard überlassen musste.

 

1129 zogen Hugo und seine Begleiter mit einem Heer von Rekruten durch das Rhônetal und durch Avignon zurück ins Heilige Land.

 

Insbesonders in Südfrankreich, in Flandern, in der Champagne und in Burgund breitete sich der Orden rasch aus. Die Ausbreitung in den iberischen Königreichen, wie Portugal oder Aragón, nahm bald einen ebenso rapiden Verlauf.

 

Auch in Gebieten, in denen sich der Johanniterorden bereits gefestigt hatte, gelang es dem sich im Aufschwung befindlichen Templerorden Fuß zu fassen.

 

Durch die Schenkungen der iberischen Adeligen wurde der Orden zusätzlich in die Reconquista einbezogen und übernahm dabei eine gewichtige Rolle. Neueroberte Gebiete wurden den Templern übergeben, um sie zu besiedeln und vor den Muslimen verteidigen zu können.

 

Man kann die Schenkungen in drei verschiedene Kategorien aufteilen: die Schenkungen 'pro anima' waren hauptsächlich mehr oder minder große Landstücke, die dem Orden geschenkt wurden, um Seelenheil zu erlangen. Mit Schenkungen 'in extremis' bezeichnete man Güter oder Gelder, die dem Orden nach dem Tod eines Privatmanns gemacht wurden.

 

Vor allem bei Pilgern, deren langer Weg ins Heilige Land nicht ungefährlich war, kam diese Form der testamentarischen Schenkung oft vor. Die dritte und meistverbreitete Art war die Schenkung gegen Entgelt.

 

Sie lässt sich nur schwer von Verkäufen unterscheiden, doch war im allgemeinen der Templerorden der Gewinner, denn die Gegengabe war von geringerem Wert.

 

Nun bekamen die Templer kleine verstreute Parzellen geschenkt, die sie aber durch Tausch, Erwerb und Veräußerung zu einem zusammenhängenden Gebiet vereinten. Oft übten sie sanften Druck auf den einen oder anderen Landesherren aus, um Enklaven verschwinden zu lassen, die ihre Besitztümer durchlöcherten.

 

Die Templer respektierten die Besonderheiten jeder Region und erzeugten, was am meisten einbrachte. Natürlich war das erste Ziel jeder Komturei, sich selbst zu versorgen:

Überall baute man Korn an und züchtete Schweine; fast überall bemühte man sich, Wein zu produzieren.

 

Die Notwendigkeit, den Heiligen Krieg zu finanzieren, der Unterhalt der Festungen und der Garnisonen Spaniens und Syrien-Palästinas zwangen die Niederlassungen des Abendlandes jedoch dazu, Gewinn zu machen.

 

Der Abzug von Einkünften des Okzidents, bekannt unter dem Namen 'responsio', betrug ein Drittel dessen, was die Betriebe der Ritterorden erwirtschafteten.

 

Um den Ertrag zu steigern, förderten sie die Ausdehnung der bestellten Flächen und verwendeten bzw. entwickelten neue Bewirtschaftungstechniken, unter anderem den vierjährigen Fruchtwechsel, und neue Methoden der Betriebsführung.

In Spanien nutzten die Templer regelmäßig die Dienste maurischer Sklaven - diese waren gekauft oder Kriegsgefangene. Inventare, die 1289 für fünfzehn Komtureien Aragóns erstellt wurden, zeigen, dass jedes Templerhaus im Durchschnitt zwanzig Sklaven einsetzte.

 

Die besondere Situation auf der iberischen Halbinsel führte zu einem Umdenken in der Besiedelungspolitik. Die den Templern übergebenen neueroberten Gebiete brauchten dringend Bauern, um das zum Teil verwüstete Land zu bestellen.

 

Den christlichen Bauern dürfte es wohl zu unsicher dort gewesen sein und so mussten die Templer auf die Hilfe der Muslime zurückgreifen. In diesem problematischen Landstrich zögerten die Templer nicht, die Muslime zur Rückkehr aufzufordern.

 

Als die Templer 1234 die Übergabe von Chivert erwirkt hatten, versprachen sie den Muslimen, dass sie ihre Häuser und ihr Land zurückerhalten würden, falls sie vor Ablauf eines Jahres und eines Tages zurückkämen.

 

Dies geschah, und eine Übereinkunft legte die Bedingungen ihres Aufenthalts fest: Kulturfreiheit, Befreiung von jedem Kriegsdienst sowie zwei Jahre lang Befreiung von der Zahlung von Renten und Abgaben.

 

1243 ließ der Templerorden sogar eine Mauer zum Schutz des Maurenviertels errichten. Bei dieser Gelegenheit schworen die Muslime ihrem Herrn, dem Templerorden, ihre Charte einzuhalten "wie treue und loyale Untertanen es tun sollen".

 

Durch die zum Teil befestigten Häuser und Burgen der Templer wurden diese Komtureien zu politischen und wirtschaftlichen Zentren. Außerdem hatte jedes noch so kleine Konvent eine eigene Kapelle oder Kirche, die primär die spirituellen Bedürfnisse der Ordensbrüder abdecken sollte, gleichzeitig aber auch die Bevölkerung des Umlandes anzog, was wiederum den Zorn der lokalen Kleriker auf sich zog.

 

So wurden die Templerkomtureien zu Zufluchtsstätten für Personen und Güter. Nichts ist sicherer als ein gottgeweihtes Haus, um seine Wertgegenstände zur Aufbewahrung zu geben.

 

Der König von Aragón gab die Kronjuwelen 1303 der Burg Monzon zur Aufbewahrung. Privatpersonen brachten Geldbeträge oder Schmuckstücke zum Orden, die bisweilen als Pfand für andere Operationen dienten.

Von der einfachen Vermögensverwaltung für andere ging der Templerorden selbstverständlich weiter zur Geldleihe. Er verfügte über eigene Mittel, aber auch über Geld, das von Privatleuten ohne bestimmte Verwendung einfach hinterlegt worden war.

 

Die Templer ließen das Geld für sich arbeiten und sicherten sich auf dreierlei Weise ab: durch Pfänder, Zins und Geldbußen.

 

Die Templerkomtureien im Abendland hatten auch die Aufgabe, reisende Pilger aufzunehmen und zu versorgen, damit sie weiter ins Heilige Land ziehen konnten.

 

Besonders in den italienischen Hafenstädten und entlang der Pilgerstraßen gab es große Templerhäuser, die bereitwillig die Wallfahrer mit dem Nötigsten versorgten.

Einen ungefähren Eindruck von der Ausbreitung der Templerkomtureien im 12. Jahrhundert gibt uns Artikel 87 der Ordensregeln, in dem es heißt, dass der Großmeister mit Zustimmung des Kapitels "den Komtur des Landes von Tripolis und Antiochia, den Frankreichs und Englands, des Poitou, Aragóns, Portugals, Apuliens und Ungarns" ernennt.

 

In späterer Folge wuchs die Zahl der Provinzen. England wurde zusammen mit Irland und Schottland von Frankreich abgespalten. Die Provence wurde 1240 von der französischen Provinz unabhängig, ebenso wie Katalonien und das Roussillon, Regionen die zur selben Zeit von Aragón abgetrennt wurden.

 

Die Schenkungen strömten nicht gleichmäßig, sondern in Wellen, mit Höhepunkten in den Zeiträumen von 1130 bis 1140, von 1180 bis 1190 sowie von 1210 bis 1220. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts kam es zu einem deutlichen Absinken der Schenkungen.

 

Gründe dafür waren sicher die zunehmende Konkurrenz der Bettlerorden, die allgemeine Entwicklung der Gesellschaft, in der Schenkungen strikter kontrolliert wurden, der Druck der königlichen Staatsgewalt, die immer mehr Geld von ihren Untertanen verlangte, und schließlich jene Krise des Kreuzzugsgedankens, die sich nicht allein auf den Templerorden beschränkte.

Die abendländischen Provinzen waren streng organisiert. Die Provinzen waren in Komtureien oder Häuser unterteilt. Eine Komturei entsprach einem gewissen Bezirk, dem ein Meister vorstand, den man auch Ministerial, Präzeptor, Prokurator oder Komtur nannte.

 

Im Laufe des 13. Jahrhundert betraute man einen Statthalter mit der Aufgabe, alle westlichen Provinzen zu überwachen.

 

Durch eine Politik des Gütertausches und -erwerbs versuchte der Templerorden, seine Niederlassungen so gleichmäßig wie möglich zu verteilen.

 

Dies war die Vorrausetzung für eine gute Versorgung der orientalischen Templer mit neuen Kriegern und Waren aller Art, die zum größten Teil selbst in den Komtureien hergestellt wurden.