Gozo - Zauber der Abgeschiedenheit

Bildquelle: Anke Jablinski, www.ankejablinski.de
Bildquelle: Anke Jablinski, www.ankejablinski.de

Die Schwesterinsel Maltas lag immer etwas abseits - und hat sich daher den pastoralen Charme einer mediterranen Inselidylle erhalten können. Die Dörfer entsprechen zwar wie auf Malta dem süditalienischen Bild der ›Agrarstadt‹, doch sind sie noch nicht zu einem urbanen Konglomerat verschmolzen.

 

Gozos Küste steigt im Süden und Westen bis zu 100 m aus dem Meer, die höchste Erhebung sind die Steilklippen von Ta’Cenc im Westen. Besser zugänglich ist die östliche und nördliche Küste mit den schönen Badestränden der Ramla Bay oder von San Blas und der malerischen Bucht von Mgarr, dem Haupthafen Gozos. Von der zentralen Ebene rund um die Inselkapitale Victoria laufen weite Täler sternförmig auf die Küsten zu. Charakteristisch abgeflachte Tafelberge, die ›sieben Hügel‹ Gozos, fassen diese Täler ein.

 

Um das Ackerland in den Senken freizuhalten - aber auch aus strategischen Gründen -, liegen die Siedlungen in der Regel auf den Kuppen der Hügel. Von dort oben blicken sie stolz über fruchtbare Felder, die durch klappernde Windräder bewässert werden.

 

Dass man Gozo als ›grüne Insel‹ bezeichnet, mag zwar maßlos übertrieben scheint, lässt sich aber statistisch beweisen:

Mit nur einem Viertel der Größe Maltas liefert Gozo heute über die Hälfte der gesamten Agrarproduktion. Die touristische Entwicklung steckt noch in den Kinderschuhen, lediglich Marsalforn an der Nordküste und Xlendi im Süden sind lebhafte, jedoch nicht überlaufene Ferienorte. Victoria mit ihrer Zitadelle bildet dagegen den städtischen und verkehrstechnischen Mittelpunkt Gozos.

 

Die Geschichte Gozos beginnt wie die Maltas mit einer neolithischen Bevölkerung, bis nach mehreren Einwanderungswellen auch hier die Menschen der Megalithkultur ihre steinernen Monumentaltempel auftürmten. Der Ggantija-Tempel beim Dorf Xaghra gehört zu den vier am besten erhaltenen des Archipels.

 

Doch erreichte das kleine Gozo nie größere Bedeutung. Unter den Johannitern, seit 1530, wurde Gozo mehr oder weniger vernachlässigt und hatte unter einer Serie alljährlicher Überfälle durch Piraten von der ›Korsarenküste‹ zu leiden, die 1551 ihren Höhepunkt erreichte.

 

Verbündet mit dem türkischen Admiral Sinan Pascha verwüstete der berüchtigte Korsar Dragut die Insel und entführte fast die gesamte Bevölkerung in die Sklaverei. Anfang des 17. Jh. wurde zwar die Zitadelle verstärkt und die Küste mit Wachttürmen gesichert, das einzige Großprojekt des Ordens blieb aber das 1749 gebaute Fort Chambray über dem Hafen von Mgarr. So sind ›große‹ Sehenswürdigkeiten auf Gozo eher rar.

 

Dennoch bezaubert die Insel durch ihre vielen stillen Ecken: einsame Buchten mit bizarren Felsformationen, beschauliche Dörfer, ummauerte Felder und karge Hochplateaus, über die der Wind den Geruch des Meeres trägt.

 

 

 

 

Quelle: ADAC Verlag GmbH