Belagerung von Malta (1565)

Die Belagerung Maltas durch ein osmanisches Heer begann mit der ersten Sichtung der türkischen Flotte vor der Küste Maltas am 18. Mai und dauerte bis zum Abzug der Truppen am 8. September (Mariä Geburt) des Jahre 1565. Die von dem Malteserorden verteidigte Insel konnte sich dabei gegen die Invasoren behaupten.

 

Nach der Vertreibung von Rhodos am Neujahrstag 1523, durch ein osmanisches Heer unter Sultan Süleyman dem Prächtigen ließ sich der Johanniterorden zunächst auf Kreta und an mehreren Orten in Italien nieder, bis ihnen der römisch-deutsche Kaiser Karl V. 1530 das zum habsburgischen Machtbereich gehörende Malta nebst Gozo sowie das 1510 vom habsburgischen Spanien eroberte Tripolis übertrug.

 

Die Johanniter unter ihrem Großmeister, Philippe de Villiers de l’Isle-Adam gingen sofort daran, Malta zu ihrem neuen Stützpunkt auszubauen. Dabei erhielten sie finanzielle Hilfe von Karl V., die vor allem für den Bau und Ausbau der Festungsanlagen genutzt wurde. Nach der Abspaltung protestantischer Ordensmitglieder (firmieren weiterhin als Johanniter), bürgerte sich die Bezeichnung „Malteserorden“ ein.

 

Der Malteserorden übernahm eine zentrale Rolle bei der Verteidigung des westlichen Mittelmeerraums gegen osmanische Kriegsflotten und mit den Osmanen verbündete Korsaren, wobei ihm die Lage Maltas zwischen Sizilien und Tunesien zugute kam.

 

Eine besondere Bedrohung für die christlichen Länder des westlichen Mittelmeeres stellte die Flotte des türkischen Beylerbeys von Nordafrika Khayr ad-Din „Barbarossa“ († 1546) dar, die vor allem von Algier aus operierte. Die Errichtung einer neuen Operationsbasis für die Galeeren des Ordens auf Malta, dem am besten geschützten und größten natürlichen Hafen des Mittelmeeres, behinderte und gefährdete die osmanischen Aktivitäten auf See.

 

Die Osmanen und ihre Verbündeten waren seit den 1540er Jahren im westlichen Mittelmeerraum militärisch äußerst aktiv. Khayr ad-Din plünderte 1542 mit seiner Flotte die katalanische Küste, eroberte 1543 im Bündnis mit Frankreich Nizza und unternahm 1544 einen Plünderungszug entlang der italienischen Küste. Das von den Johannitern verteidigte Tripolis wurde 1551 von den Osmanen erobert.

 

Aufgrund dieser Entwicklung ließ der 1558 gewählte Großmeister des Malteserordens, Jean Parisot de la Valette, die Befestigung des maltesischen Hafens beschleunigen und ausweiten, denn auch Malta zitterte vor Süleyman, der den gesamten östlichen Mittelmeerraum unterworfen und Ungarn annektiert hatte. Dieser trieb die Expansion seines damaligen Weltreiches soweit voran, dass er bis vor die Tore Wiens (siehe Erste Wiener Türkenbelagerung) kam.

Europa war in ständiger gespannter Erwartungshaltung und fürchtete sich vor den militärisch bestens organisierten „ungläubigen, mordenden Horden“.

 

 

 

Ausgangslage 

Die osmanische Flotte unter dem Befehl von Großadmiral Piale Pascha war gewaltig; so wurden etwa 130 Galeeren und dazu eine große Zahl anderer Kriegs- und Transport-Schiffe, insgesamt mehr als 200, für das etwa 40.000 Mann starke Heer unter dem Befehl von Mustafa Pascha aufgeboten.

 

Die osmanische Flotte lief am 1. April 1565 aus Istanbul (Konstantinopel) aus und wurde am 18. Mai 1565 zuerst vor Malta gesichtet. Erst am 2. Juni traf der berühmte Pirat Turgut Reis (Dragut), der Bey von Tripolis, mit einem kleinen Geschwader auf Malta ein; Sultan Suleyman hatte Piale Pascha und Mustafa Pascha angewiesen, Turgut als "Vater" (sprich Oberbefehlshaber) der gesamten Operation zu betrachten.

 

Der Malteserorden konnte neben 750 Rittern etwa 8.000 maltesische Kämpfer sowie ca. 600 spanische Söldner aufbieten, die allesamt dem Großmeister Jean Parisot de la Valette unterstanden. Die Ritter waren gut auf die Verteidigung ihrer Festungen vorbereitet und hatten Hilfeersuchen sowohl nach Sizilien und Spanien, wie auch an ihre außerhalb Maltas gelegenen Ballein und Komtureien geschickt.

 

Der befestigte Teil des Großen Hafens an der Nordostküste Maltas umfasste die parallel verlaufende Landzungen Senglea und Birgu, deren Enden durch eine große Kette verbunden waren, um gegnerischen Schiffen den Zugang zu verwehren.

 

Zwischen den beiden Halbinseln an der Südseite des Großen Hafens, wurde eine provisorische Brücke errichtet, während in den niedrigen Gewässern westlich Sengleas eine Palisade aus spitzen Holzpfählen die Anlandung feindlicher Truppen verhindern sollte. An der Spitze Birgus befand sich die große alte Festung St. Angelo, das Hauptquartier der Ordensritter, während sich an der Basis der Halbinsel Senglea das Fort St. Michael erhob.

 

Nordöstlich des Hafens, auf der Landspitze des Monte Sciberras, befand sich das als Vorposten erbaute Fort St. Elmo, das sowohl den Großen Hafen wie auch die Einfahrt in den nördlich gelegenen Marsamxett Hafen (auch Marsamuscetto genannt) sichern sollte.

 

Nachdem die türkische Flotte am 18. Mai vor Malta erschienen war, setzten die Schiffe die von ihnen beförderten Truppen am nächsten und übernächsten Tag in der Bucht von Marsaxlokk (auch Marsasirocco genannt) im Südosten der Insel ab.

 

Die Türken schafften ihre Geschütze und Truppen nach Norden und schlugen ihr Lager im Tiefland der Marsa auf. Die Brunnen dieser Gegende waren zuvor auf Geheiß La Valettes verunreinigt worden, was dazu führte, dass die Türken während der ganzen Belagerung verstärkt an Krankheiten wie der Ruhr litten.

 

 

 

Kampf um das Fort St. Elmo   

Am 24. Mai 1565 begannen die Invasoren von der Höhe des Monte Sciberras (heute liegt dort Valletta) aus mit dem Beschuss von St. Elmo. Bei dem massiven Artilleriebeschuss, unter anderem durch einen sogenannten „Basilisken“, der Kugeln von ca 160 Pfund verschoss, gingen zwischen 6.000 bis 7.000 Geschosse täglich auf das Fort nieder.

 

Piali und Mustafa waren überzeugt, die Eroberung sei nur eine Sache weniger Tage. (Turgut Reis, der weitaus mehr Erfahrung im Kampf mit den Ordensrittern hatte, war noch nicht eingetroffen.)

 

Obwohl weder Sizilien noch Spanien Verstärkungen schickten, leisteten die Ritter wie auch die Malteser erbitterten Widerstand. Die Belagerer arbeiteten sich durch das Ausheben von Gräben immer näher an das Fort heran, und am 3. Juni postierten sie auf Anweisung des inzwischen eingetroffenen Turgut Reis nördlich des Forts eine weitere Geschützbatterie, die St. Elmo über die Einfahrt des Marsamxett Hafens hinweg sofort unter Feuer nahm.

 

Der Standort der Batterie an der Spitze der Tigne-Halbinsel wird noch heute manchmal als Dragut’s Point bezeichnet. Außerdem ließ er noch eine weitere Batterie am „Punta delle Forche“, dem Galgenplatz installieren, um das Fort auch von Süden her unter Feuer nehmen zu können. (Heute liegt hier das Fort Ricasoli.)

 

Turgut Reis
Turgut Reis

Am nächsten Morgen wurde den Verteidigern des Forts, mehr durch Zufall, der die Nordwestecke absichernde Ravelin entrissen. Bei einer Inspektion durch die Pioniere der Angreifer fanden diese die Besatzung schlafend und erschöpft aufgrund des Bombardements vor, und machten sie nieder.

 

Seit Beginn der Angriffe auf St. Elmo hatten die Malteser die Geschütze des auf Birgu gelegenen Forts St. Angelo neu ausgerichtet und fügten den Angreifern mit quer über den "Großen Hafen" erfolgenden Kanonaden schwere Verluste zu.

 

 Bei diesem Artilleriebeschuss erlitt Turgut Reis am 18. Juni durch einen Steinsplitter eine Kopfverletzung, der er kurz nach der Eroberung von St. Elmo am 23. Juni erlag.

 

Am 23. Juni erfolgte der letzte Großangriff auf St. Elmo, der nach äußerst verlustreichen Kämpfen zur Eroberung führte. Von den ursprünglich 1500 Verteidigern des Forts überlebten nur neun Ordensritter die Erstürmung, während die Osmanen etwa 8000 Soldaten bei den Kämpfen verloren.

 

Mustafa Pascha ließ die neun überlebenden Verteidiger köpfen, ihre Leichen kreuzigen und sie über das Wasser in Richtung auf Birgu und Senglea treiben. Im Gegenzug ordnete La Valette die Tötung türkischer Gefangener an und ließ deren Köpfe in die Kanonen laden und auf den Gegner abfeuern.

 

 

 

Kampf um Senglea und Birgu 

Nach der Eroberung St. Elmos gingen die Osmanen dazu über, im Verlauf mehrerer Tage ihre Geschütze auf das Fort St. Angelo am nördlichen Ende von Birgu auszurichten (heute heißt der Ort im Gedenken an den Sieg der Ritter Vittoriosa, allerdings wird der Name praktisch nicht verwendet). Es folgte schweres Geschützfeuer auf die Stellungen der Malteser.

 

Am 15. Juli gingen die osmanischen Truppen zum Sturmangriff auf die St. Michaels-Bastion auf Senglea über. Obwohl auf der Festung ein Pulvermagazin explodierte, gelang es die Angreifer zurückzuschlagen und ihnen wieder hohe Verluste beizubringen. Unterdessen hatten die türkischen Befehlshaber einige ihrer Schiffe über Land vom Marsamuscetto aus über die Basis der Sciberras-Halbinsel in den „Großen Hafen“ geschafft.

 

Damit unternahmen sie noch am gleichen Tag einen auch von Janitscharen durchgeführten Seeangriff auf Senglea, der jedoch am Geschützfeuer einer bis dahin unentdeckten Batterie unter St. Angelo scheiterte.

 

Vom 2. bis zum 7. August versuchten die Belagerer, die Festungen der Malteser mit einer massiven Kanonade sturmreif zu schießen. Nach Beendigung des Geschützfeuers starteten sie einen weiteren Großangriff, der sich nun gegen die Kastilische Bastion auf Birgu richtete. Nach Anfangserfolgen wurde dieser Angriff von den Verteidigern zusammengeschossen.

 

Fort Stankt Angelo
Fort Stankt Angelo

Erfolgreicher für die Osmanen war ein am selben Tag erfolgter Angriff auf die St. Michaels-Bastion, die von ihnen eingenommen wurde. Während der Großoffensiven gegen die Festungen der Malteser drang die im Inland Maltas postierte Kavallerie des Ordens in das osmanische Feldlager ein, tötete zahlreiche kranke und verwundete Türken und steckte das Lager in Brand.

 

Mustafa Pascha befürchtete, es mit einer Entsatztruppe zu tun zu haben, woraufhin er den bereits trotz heftiger Gegenwehr seitens der Malteser erfolgreichen Angriff abbrechen ließ, um nicht zwischen die vermeintlich anrückende Entsatzarmee und die Festungen zu geraten.

 

 

 

Angriff auf Mdina 

Da die Ordensritter alle kampffähigen Männer aus dem Inland in den drei Festungen zusammengezogen hatten, war das Hinterland mit der Hauptstadt Mdina ungeschützt und verwundbar. Das wusste auch Mustafa Pascha. Er befahl einem General, mit einer kleinen Truppe von 1.800 Soldaten das Hinterland einzunehmen.

 

Wie erwartet zogen die Osmanen durch die Dörfer, ohne auf Widerstand zu stoßen. Der Kommandant von Mdina, Don Mesquita, erfuhr jedoch rechtzeitig vom Anmarsch der Truppe.

 

Für eine wirkungsvolle Verteidigung lagerten viel zu wenig Pulver und Kanonenkugeln in der Stadt. Also entschloss er sich, eine Täuschung zu versuchen, und kleidete alle in der Stadt verbliebenen Bauern und Frauen in Uniformen. Dann ließ er sie, mit allen zur Verfügung stehenden Waffen und Geschützen ausgerüstet, an den Wällen Aufstellung nehmen.

 

Als die Türken angreifen wollten, sahen sie sich derart vielen Verteidigern gegenüber und wurden mit einem kurzen, aber so gewaltigem Abwehrfeuer empfangen, dass sie Mdina für einen viel stärkeren Gegner als erwartet hielten und wieder abzogen.

 

Dieser Schachzug des Stadtkommandanten von Mdina ging als „Der große Bluff“ in die Geschichtsannalen der Insel ein.

 

 

 

Jean Parisot de la Valette,  * 1494,  † 21. August 1568
Jean Parisot de la Valette, * 1494, † 21. August 1568

Das Ende der Belagerung 

Am 21. August unternahmen die Belagerer einen weiteren Sturmangriff auf Birgu und Senglea, der ebenfalls keinen Erfolg hatte. Noch im selben Monat erfuhren die Osmanen, dass ein für sie wichtiges Versorgungsschiff auf dem Weg nach Malta geentert worden war. Schlechte Versorgung und Krankheiten dezimierten das osmanische Heer erheblich.

 

Anfang September schickte Sizilien das lang erwartete Entsatzheer, das sogenannte Gran Soccorso, das allerdings nur aus etwa 8.000 Mann bestand. Mustafa Pascha, der über die geringe Größe des Entsatzheeres nicht informiert war und dessen eigene Truppen durch Seuchen bereits sehr geschwächt waren, befahl den Abbruch der Belagerung und den Abzug von der Insel.

 

Als er jedoch bemerkte wie relativ klein der Entsatz war, ließ er einen Teil seiner Truppen wieder ausschiffen, und es kam zu schweren Kämpfen, bei denen aber die Männer aus Sizilien die Oberhand behielten und den Türken nochmals schwere Verluste bescherten. Diese flohen daraufhin unter Zurücklassung allen schweren Geräts und die verbliebenen Teile des osmanischen Heeres schifften sich am 8. September ein und segelten davon.

 

Als sie zurück an den Bosporus gelangten, verzieh Süleyman I. seinen Heerführern Piali und Mustafa und beschloss im folgenden Jahr die Sache selber in die Hand zu nehmen. Bevor es dazu kam, verstarb er allerdings am 6. September 1566.

 

 

 

Resultat 

Die Belagerung Maltas war für die Osmanen äußerst verlustreich. Von den circa 40.000 beteiligten osmanischen Soldaten wurden 24.000 getötet, 10.000 verwundet oder durch Krankheiten geschwächt und etwa 1.000 von den Maltesern gefangengenommen.

 

Nach 1565 unternahmen die Osmanen keinen weiteren Versuch mehr, Malta zu erobern. Durch die Behauptung Maltas wurde die Position der Osmanen im westlichen Mittelmeer geschwächt, eine Entwicklung, die sich durch die Seeschlacht von Lepanto 1571 verschärfte.

 

Auf maltesischer Seite starben von den 17.200 Mann (Ordenskämpfer und Entsatzheer zusammengerechnet) etwa 10.300 Mann. 1.300 Menschen wurden verwundet. Zuletzt war Malta nur noch von 600 Mann verteidigt worden.

 

In den Jahren nach der osmanischen Belagerung bauten die Malteser die Befestigungsanlagen der Insel stark aus. Westlich des Forts St. Elmo auf dem „Monte Sciberras“ wurde eine weitere Festungsstadt errichtet, die zu Ehren des siegreichen Großmeisters Valletta genannt wurde.

 

Sie löste bald darauf Mdina als Hauptstadt ab. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts war Malta die am stärksten befestigte Insel des Mittelmeeres.