Ramla Bay und Calypso’s Cave

Der Strand, wo Odysseus weinte

 

Die Ramla Bay an der Nordküste besitzt den besten Strand Gozos. Auf dem leicht rötlich schimmernden flachen Sandstreifen am Ausgang eines hübschen, fruchtbaren Tals kommt im Sommer, wenn die beiden improvisierten Restaurants und die Sonnenschirmverleiher gute Geschäfte machen, richtige Ferienstimmung auf.

 

Auf den Höhen im Westen über der Bucht liegt Calypso’s Cave, die legendäre Grotte der Nymphe, deren hintere Partien heute allerdings verschüttet sind. Im Eingangsbereich hat man neolithische Artefakte entdeckt, die zumindest beweisen, daß die Höhle eine alte Kultstätte war.

 

Für Odysseus war sie letzte Station seiner 20jährigen Irrfahrt nach dem Aufbruch vom besiegten Troja, die ihn weit in den Westen des Mittelmeers geführt und schiffbrüchig an die Küste Ogygias verschlagen hatte. Sollte der listenreiche Odysseus tatsächlich hier jene sieben Jahre in der Gefangenschaft der Kalypso verbracht haben, hätte er sich doch immerhin damit trösten können, einen der schönsten Flecken der Inseln erwischt zu haben.

 

Hatte Odysseus noch das Problem, wie er von der Grotte fortkommen könne, waren die Inselbewohner im Mittelalter eher darauf bedacht, ungebetenen Gästen, Piraten nämlich, den Zutritt zu verwehren. Spuren einer ungewöhnlichen Schutzvorrichtung sind von der Anhöhe gut zu erkennen. Im Wasser verläuft parallel zum Strand der Rest einer Mauer, mit der die flache Bucht abgesperrt worden war.

 

Diese Anlage wurde ergänzt durch mehrere in den Fels geschlagene ›Steinmörser‹, die bei einem Landungsversuch feindlicher Schiffe gezündet werden konnten. Im 17. Jh. errichteten die Johanniter schließlich noch eine Redoute, eine damals mit Kanonen bewehrte Bastion, deren Fundamente noch zu sehen sind.

 

 

 

 

Quelle: ADAC Verlag GmbH