Antike Salzpfannen auf Malta

Wer an antike Bauwerke auf Malta oder Gozzo denkt, dem fallen unmittelbar die megalithischen Tempelanlagen ein - und später vielleicht noch die Katakomben. Und natürlich dürfen auch nicht die rätselhaften “Clapham Junctions”, auch bekannt als Misraћ Gћar il-Kbir oder Cart Ruts, nicht fehlen.

 

Die Theorien, Hypothesen, Vermutungen und Spekulationen, die sich um diese Bauwerke und Bodendenkmäler wie Wildwuchs ranken, können es leicht mit den geistigen Ergüssen rund um die pharaonenzeitlichen Kultbauten aufnehmen.

 

Wer allerdings entlang des Strandes der St. Pauls-Bay (San Pawl il-Baħar) im Nordwesten der Insel Malta mit den Ortsteilen Qawra, der Salina Bay und Buġibba “wachsamen Auges” schlendert, dem werden eine Reihe von künstlichen Felsmulden und Becken auffallen. In den üblichen touristischen Reiseführern steht meist, dass es sich dabei um Salzpfannen handelt.

Und einige wollen sogar wissen, dass sie bis auf die Römerzeit zurück reichen. Insbesondere in der Salina Bay, die von diesen Becken für die Salzgewinnung aus dem Meerwasser ihren Namen hat, soll man noch jeden Spätsommer die Salzernte miterleben können. Nun, ich war im Februar 2006 dort und wäre wegen der sintflutartigen Dauerregenfälle fast in meinem Zimmer ertrunken, kann das also nicht nachvollziehen.

Zweifellos erinnern einige dieser Anlagen an kleine Salzpfannen von rechteckiger oder quadratischer Form. Andere allerdings weichen davon völlig ab und schließlich finden sich mitten in diesen Anlagen oft metertiefe Becken, die kaum für eine Salzgewinnungsanlage nach dem Verdunstungsverfahren geeignet sind.

Die rasche Erklärung: “Salzbecken, Salzpfanne usw.” erweist sich als fadenscheinig. Und die Datierung? Ein schon vor Jahrzehnten pensionierter Malteser, der im Wignacourt Tower freundlicherweise den Baedecker machte, wusste lediglich zu berichten, dass “sie” (also er und seine Kameraden) als Kinder in diesen Becken gebadet hätten.

 

Nun würde mich aber schon interessieren, ob über diese - völlig unterschiedlichen aus dem Strandfelsen gehauenen – Becken nicht doch noch jemand näheres weiß. In der Folge also einige Exemplare mit Anmerkungen:

Der “1. Typus”: quadratische bzw. rechteckige flache Pfannen, die durch schmale Felsstege getrennt sind. In diesen Stegen verlaufen Nuten oder Kanäle, die mit den Becken kommunizieren. So stelle ich mir noch am ehesten Salzpfannen vor, in welchen das Meerwasser durch Wind und Sonne allmählich auskristallisiert. Überschüssiges Wasser kann teilweise durch die Kanäle abgeleitet werden.

 

Einige dieser Kanäle scheinen mir allerdings für das Niveau des Beckens zu hoch zu liegen, um mit dem Becken zu kommunizieren. Außerdem sind sie viel breiter und erinnern eher an Steinfalze in welche senkrechte Platten als Begrenzung eingesetzt werden können. So etwas findet man allenthalben bei Brunnenbecken, welche aus Steinplatten gebildet werden.

Der “2. Typus”: Nur wenige Meter neben diesen rechteckigen Becken beginnt eine Serie von runden und teilweise vollkreisförmigen Vertiefungen, welche manchmal von kleinen “Pfostenlöchern” begleitet werden.

 

Die Becken sind nicht wie die großen rechteckigen in annähernd einer Ebene angeordnet, sondern folgen dem mehr oder weniger buckligen Profil des natürlichen Felsbodens.

Ob ursprünglich alle Becken kreisförmig geschlossen waren und erst durch die Einwirkung des Meeres seeseitig “weggefressen” wurden oder sich untereinander verbanden, kann ich nicht sagen.

Was jedoch bemerkenswert ist: die Rundbecken sind an den Rändern ausgezackt, als ob jemand mit Zähnen hier herumgenagt hätte. (Besser zu sehen auf den größeren Bildern, die man durch anklicken der Vorschaubilder erhält). Solche “Zahnspuren” verlaufen auch in gerader Linie zwischen den Becken, wobei hier der Mutterfels gesprengt ist.

 

Es handelt sich also um sogenannte Keilbuchsen (Keiltaschen, Keilbüchsen usw.). Diese stammen von Spaltkeilen, mit denen man einerseits die runden Becken durch Absprengung aus dem natürlichen Strandfelsen herausarbeitete, andererseits versuchte man stellenweise offensichtlich den ganzen Felsen in Blöcke zu zerteilen.

Die Draufsicht auf die Keilbüchsen (drittes  Detailbild) zeigt übrigens typische Brandspuren (Rotfärbung). Sind die runden Becken also ebenfalls Salzpfannen, oder dienten sie einem anderen Zweck? Solche relativ kleinformatigen kreisrunden Vertiefungen findet man nämlich manchmal bei aufgelassenen historischen Mühlsteinbrüchen, wo die Steinscheiben ebenfalls durch Abkeilen und Heraushebeln aus dem Mutterboden gewonnen wurden.

 

Damit der Stein rund bricht, müssen die Keilbüchsen sehr eng gesetzt werden. Sonst bricht der Stein entlang der natürlichen Schichtung, also gerade.  Auch die geraden Serien von Keiltaschen zwischen den Becken sprechen eher für eine steinbruchmässige Abtragung des Uferfelsens. Wenn dem so ist, dann hätten wir hier zwei verschiedene Dinge zu unterscheiden: Salzpfannen und einen (Mühl-?) Steinbruch.

 

Auf dem Weg von Salina Bay zum Wignacourt Tower beginnt eine Serie von tiefen Becken.

Der “3. Typus”: Hier handelt es sich um mehrere Meter tief in den Felsen und ins Meer getriebene rechteckige Becken, die eine kleine Einfahrt zum Meer haben. Sie sind teilweise durch relativ kleine Kanäle verbunden, welche Sperrvorrichtungen oder etwas Ähnliches aufweisen.

 

Das Becken ist unter Umständen über eine aus dem Felsen gehauene Steintreppe erschlossen. An den Beckenrändern finden sich zahlreiche runde oder rechteckige “Pfostenlöcher” und teilweise im Kreisbogen verlaufende Steinfalze oder flache Kanäle.

Die Kanäle sind einerseits grob heraus geschwemmt, andererseits wirken sie wie geschliffen oder absichtlich glatt und sorgfältig gearbeitet. Bei näherer Betrachtung  (Vorschaufotos anklicken) fällt eine neue Bearbeitungstechnik auf: die Kanten (3. Vorschaubild) zieren eng gesetzte kleine kreisrunde Vertiefungen.

 

Diese “näpfchenartigen” Vertiefungen könnten von einem händisch geführten Steinbohrer stammen. Für eine Maschinen-Bohranlage, wie sie in modernen Steinbrüchen zum Abtrennen von Blöcken verwendet werden, sind sie zu unregelmäßig. Vereinzelt finden sich auch hier die oben  genannten kreisrunden Pfannen vom Typus 2.

Die Ränder und Kanten einzelner Becken wirken oft sehr verwaschen und erodiert, was vielleicht doch auf ein höheres Alter schließen lässt. Die Wände der hier gezeigten Becken sind übrigens geschwemmt.

 

Bemerkenswert ist die Lage der seeseitigen Zugänge. Sie könnten nämlich bei Flut unter der Wasserlinie liegen, was ich allerdings nicht überprüft habe. Die seeseitige Beckenwand ist in den meisten Fällen durch das Meer (oder im WW2???) zerstört.

 

Auf der Felszunge beim Wignacourt Tower begegnet man einer wahren “Mondlandschaft” von flachen runden Becken, ähnlich dem Typus 2:

Der “4. Typus”: gleicht zunächst dem Typus 2, bei näherer Betrachtung erkennt man jedoch, dass es sich eigentlich nicht um Pfannen wie beim Typus 2 handelt, sondern meist eher um relativ grob herumgehackte Mulden.

 

Sie liegen auf völlig unterschiedlichem Niveau und scheinen sich oft gegenseitig zu überschneiden. Auch hier ist die Vorstellung, dass es sich um Salzpfannen handelt, nicht ganz nachvollziehbar.

Das Problem der Funktion dieser doch recht unterschiedlichen Bodendenkmale und ihre Datierung dürften noch nicht gelöst sein.

 

 

 

 

Quelle:   blog-bauformen-malta