DIE MUTTERGÖTTIN

Malta in der Steinzeit

 

Die meisten Zivilisationen der Jungsteinzeit verehrten eine Mutter- oder Erdgöttin – Malta scheint dabei keine Ausnahme zu sein. Das zeigt sich sowohl an den verschiedenen, in neolithischen Tempeln gefundenen Artefakten als auch an der Bauweise der Tempel selbst.

 

Die Statuen aus den Tempeln sind heute im Archäologischen Nationalmuseum in Valletta ausgestellt. Sie stellen üppige menschliche Figuren in unterschiedlichen Positionen dar – einige stehend oder sitzend, andere schlafend. Die aus den  steinzeitlichen Tempeln von Mnajdra und Hagar Qim sowie aus unterirdischen Begräbnisstätten wie dem Hypogäum geborgenen Statuen aus der Zeit um 2500 v. Chr. haben immer wieder für wissenschaftliche Diskussionen gesorgt.

 

Dabei geht es zum einen um das Geschlecht der Statuen. Auf den ersten Blick scheinen die Götterstatuen sehr dicke Frauen darzustellen, was einleuchtend erscheint - Nahrung im Überfluss gehörte damals zu den größten Luxusgütern. Fettleibigkeit wurde auch mit Fruchtbarkeit assoziiert, was ebenfalls zu den wichtigsten Eigenschaften der damaligen Zeit gehörte. Für diese Zivilisationen war es von großer Bedeutung, dass Frauen die Kinder im Körper tragen, sie zur Welt bringen und füttern konnten: Frauen waren wie die Erde selbst – sie konnten Leben und Nahrung geben. Viele Zivilisationen der Jungsteinzeit verehrten die Frau und hatten daher auch weibliche Gottheiten.

 

Die meisten auf Malta gefundenen Statuen verfügen jedoch über keinerlei offensichtliche Geschlechtsmerkmale. Zwar haben sie weit ausladende, runde Hüften, die sehr weiblich erscheinen; die Brust jedoch ist flach. Eine Theorie, die diesen Widerspruch aufklären könnte, besagt, dass die neolithischen Zivilisationen auf Malta dem Geschlecht einer Person keine große Bedeutung zumaßen. Da ein Großteil der geborgenen Statuen kopflos ist, glauben Forscher, dass die Köpfe von verschiedenen Priestern oder Priesterinnen modelliert und den Statuen aufgesetzt wurden. Das wäre eine Erklärung für die fehlenden Geschlechtsmerkmale der Statuen.

 

Die zweite Frage, die sich stellt, wenn man etwa die Statuette der „Sleeping Lady“ aus dem Hypogäum betrachtet, betrifft Kleidung und Einrichtungsgegenstände dieses jungsteinzeitlichen Volkes. Die Statuette stellt eine seitlich schlafende Frau dar, die auf einem Bett aus gewobenem Schilfrohr liegt. Die Verwendung des Bettes als Teil der Statue lässt darauf schließen, dass damals schon Einrichtungsgegenstände verwendet wurden. Die Figur ist mit einem gefalteten Rock bekleidet, was außerdem als Nachweis dafür gilt, dass Kleidung zur damaligen Zeit nicht nur aus einfachen Tierhäuten oder Umhängen, sondern bereits aus sorgfältig gefalteten Stoffen und Hüftgurten bestand.

 

Außer den eigentlichen Darstellungen der Muttergöttin oder – auf Maltesisch - „Mara l Hoxna“ (dicke Frau) ist die Bauweise der neolithischen Tempel zu erwähnen. Von oben betrachtet haben die Tempel die Umrisse einer rundlichen, dicken Frau mit Kopf, Brüsten und Hüften. Die wichtigsten Zeremonien wurden wahrscheinlich in der Mitte der Tempel abgehalten, die den Leib der Göttin darstellte. Die Gottesdienste könnten auch Symbole für die Wiedergeburt der teilnehmenden Person gewesen sein.

 

Die Statuen der Muttergöttin Maltas können im Archäologischen Nationalmuseum in der Republic Street in Valletta besichtigt werden, das täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet ist. Außerdem findet man die unterschiedlichsten Darstellungen der Muttergöttin in den zahlreichen Souvenirläden überall auf den Maltesischen Inseln.

 

Fotos von Heritage Malta. Weitere Informationen erhalten Sie über www.heritagemalta.org

 

 

 

 

 

Quelle: airmalta.com