Am Marsamxett-Hafen

Das National Museum of Fine Arts (29) in der South Street (16. Juni-30. Sept. tgl. 7.45-14 Uhr, sonst Mo-Sa 8.15-17, So bis 16.15 Uhr) ist in einem prunkvollen Palazzo untergebracht, der 1761 von den Johannitern als Gästehaus errichtet wurde und seit 1821 als Residenz der britischen Admiralität diente.

Die Exponate decken das europäische Kunstschaffen vom Florentiner Quattrocento bis zum Futurismus ab.

Neben den Werken der italienischen und der flämischen Schule verdienen im Obergeschoß vor allem zwei eng mit Malta verbundene Künstler Beachtung: Mattia Preti, genannt Il Calabrese, lebte von 1661, als er den Auftrag zur Ausgestaltung der heutigen St. Johns Co-Cathedral übernahm, bis zu seinem Tod 1699 auf der Insel.

Er war stark von Caravaggio beeinflußt und bemühte sich wie dieser um eine illusionistisch übersteigerte Perspektive und intensive Dramatik (Saal 12-13).

 

Der maltesische Bildhauer Antonio Sciortino (1881-1947) ist mit zahlreichen Gipsmodellen vertreten (Saal 7, Nebenraum). Anfangs beeinflußt von Paul Trubetzkoj, einem russischen Rodin-Schüler, wandte er sich 1910 dem neuen, in Italien aufgekommenen Futurismus zu.

Internationale Anerkennung gewann er mit einem Denkmal für den russischen Schriftsteller Sewtschenko in Kiew, das ihm 1914 den ersten Preis einbrachte. Einige in Bronze ausgeführte Vorstudien, etwa für ein Denkmal des lateinamerikanischen Befreiungshelden Simon Bolivar, sind im Erdgeschoß (Saal 16 und 25) zu sehen.

Hier beeindrucken außerdem die Großmeisterporträts des französischen Malers Antoine de Favray (1706-89), der Manoel Pinto mit Hermelinmantel und geschlossener Krone als absolutistischen Herrscher präsentiert (Saal 14). Die pittoresken Hafenszenen von Louis du Cros sowie Vater und Sohn Schranz vermitteln einen anschaulichen Eindruck vom Leben im Valletta des 18. Jh.

Im Kellergeschoß werden wechselnde Ausstellungen mit zeitgenössischen Werken maltesischer Künstler gezeigt.

 

In der Festung St. Johns Cavalier am Ende der Zekka Street ist heute die Botschaft des Souveränen Malteser Ritterordens untergebracht, der seit Mitte des 19. Jh. in Rom beim Vatikan seinen Hauptsitz hat und von 37 Staaten völkerrechtlich anerkannt ist. Der amtierende Großmeister besucht noch heute einmal im Jahr den früheren Hauptsitz.

Die Hastings Gardens dahinter sind zwar gärtnerisch etwas trostlos, doch bietet sich von der St. Michaels Bastion ein schöner Ausblick über den Marsamxett-Hafen, auf Manoel Island mit den Arkaden des Lazzaretto, einer Quarantäne-Station der Johanniter, sowie das Häusermeer von Sliema und Msida.

Von der St. Michaels Bastion und der St. Andrews Bastion, der höchsten Vallettas, geht es teils über Treppengassen hinunter zum Fischerhafen unterhalb der Pjazza Mattia Preti (30), wo auch die Schnellfähre von The Strand in Sliema anlegt.

Weiter an der Uferringstraße entlang kommt man zum German Curtain (31), zur Deutschen Kurtine, die die Ritter aus dem Kaiserreich verteidigen mußten.

Auf dem Platz der einstigen Auberge dAllemagne am Independence Square erhebt sich heute jedoch die anglikanische St. Pauls Cathedral (32), die einem Besuch der britischen Königswitwe Adelaide im Jahr 1839 zu verdanken ist:

Da ein Gotteshaus ihrer Konfession auf der Insel fehlte, entschloß sie sich zur Stiftung des Kirchengebäudes, dessen neoklassizistische Fassade und spitzer Glockenturm jedoch kaum in die Stadtlandschaft Vallettas passen wollen.

 

Die Auberge dAragón (33) gegenüber, heute Sitz des Wirtschaftsministeriums, ist das beste Beispiel der frühen Ritterherbergen in Valletta, denn bis auf den Portikus des Haupteingangs blieb sie im ursprünglichen, 1571 von Gerolamo Cassar entworfenen Zustand erhalten.

Die in der West Street hinter der Auberge gelegene Kirche TaPilar (34), die Patronatskirche der Zunge von Aragón, datiert aus dem Jahr 1610. Die elegante Fassade und die prunkvolle Innenausschmückung stiftete Ramon Perellos 1718.

Das Denkmal vor der Herberge erinnert an Dun Mikiel Xerri, einen Priester, der als Führer des pro-britischen Aufstands der Malteser gegen die französische Besatzung 1799 erschossen wurde.

Erst 1958 entstand die Kirche Our Lady of Mount Carmel (35) an der Zekka Street, nachdem der ursprüngliche Bau von Gerolamo Cassar im Krieg zerstört worden war. Die gigantische, 42 m hohe Kuppel kann man zwar aus den engen Straßen nicht sehen, sie dominiert jedoch die Stadtsilhouette und überragt sogar den Glockenturm der St. Pauls Cathedral.

Etwas mehr Zeit verdient das außen eher unscheinbare Teatro Manoel (36) in der Old Theatre Street. Das Haus, das 1731 von Großmeister Manoel de Vilhena mit dem Motto ad honestatem populi oblectationem (zur ehrenvollen Ergötzung des Volkes) gestiftet wurde, zählt heute zu den ältesten noch regelmäßig bespielten Bühnen Europas.

Als Foyer und Eingang dient nun ein Adelspalast aus dem 18. Jh. neben dem Theater, der auch einen Konzertsaal (Sala Issuard) beherbergt. Das prachtvoll vergoldete, ovale Auditorium mit seinen vier Logenrängen entstand 1844 nach dem Vorbild des venezianischen Teatro La Fenice.

 

Ein Blick in das Innere lohnt auch dann, wenn Sie keine Bühnenvorstellung genießen wollen (Führungen Mo-Fr 10.45 und 11.30, Sa 11.30 Uhr).

Vorbei an eindrucksvollen Privatpalästen aus dem 17. Jh., die nun in Mietwohnungen umgebaut sind, erreicht man über die Old Bakery Street wieder die Ringstraße am Meer. Die gesamte Spitze der Landzunge von Valletta nimmt das Fort St. Elmo (37) mit seinen mächtigen Mauern ein.

1553 ließ Großmeister Juan de Homedes in Erwartung des drohenden osmanischen Angriffs die Spitze der Halbinsel, die beide Häfen kontrolliert, mit einer kleinen sternförmigen Festung sichern. Nach den Zerstörungen durch das Bombardement der Türken mußte es jedoch vollständig neu aufgebaut werden.

In den Baracken zum Marsamxett-Hafen hin (Spur Street) erinnert das War Museum (38) an die Blockade Maltas im Zweiten Weltkrieg durch die Achsenmächte (16. Juni-30. Sept. tgl. 7.45-14 Uhr, sonst Mo-Sa 8.15-17, So bis 16.15 Uhr).

Als Hauptquartier der britischen Mittelmeerflotte wurde die Insel, die als Sprungbrett der Nachschublinien zwischen Ägypten und Gibraltar diente, von Juni 1940 bis September 1942 fast täglich bombardiert und zuletzt über Monate von jeder Versorgung abgeschnitten.

Zu sehen sind militärische Ausrüstung, u. a. eines der drei legendären Kampfflugzeuge, die damals einzig zur Verteidigung gegen das reichsdeutsche Fliegerkorps X aufgeboten werden konnten. Eindrucksvoll ist auch eine Sammlung von Gegenständen, die den alltäglichen Überlebenskampf der hungernden Zivilbevölkerung dokumentieren.

Eine Fotoausstellung zeigt die furchtbaren Schäden durch die Bombardierung der Grand-Harbour-Region: Außer bei den Luftangriffen auf die deutschen Städte zu Kriegsende fielen auf keinem Kampfschauplatz mehr Bomben als hier.

 

Das Kernfort liegt etwas weiter zum Grand Harbour. Heute dient es als Polizeischule, ist aber an Wochenenden zu besichtigen (Sa 13-17, So 9-17 Uhr, stündl. Führungen). Besonders lohnend ist ein Besuch während der In Guardia, einer Parade mit Uniformen und Waffen im Stil der Ritterzeit, die bis zu zweimal monatlich im Fort abgehalten wird.

Nahe der Festung liegt an der Grand-Harbour-Front der große Komplex des heutigen Mediterranean Conference Centre (39).

Die ehemalige Sacra Infirmeria Santo Spirito, die 1575 in Valletta entstand, war nicht nur eines der größten Hospitäler des Johanniterordens, der ursprünglich als Bruderschaft zur Pflege kranker Jerusalem-Pilger gegründet worden war, sondern auch eines der modernsten der frühen Neuzeit.

Der 165 m lange Krankensaal, der über 1000 Betten fassen konnte, war 9 m hoch und durch die Luftzirkulation daher relativ kühl. Schmale hohe Fenster schirmten die Sonne ab. Der Boden war mit Marmor gepflastert, die Kranken hatten - keinesfalls selbstverständlich zu dieser Zeit - ein eigenes Bett und speisten von silbernem Geschirr statt von irdenem: alles Maßnahmen zur Verbesserung der Hygiene.

Das Hospital, in dem jeder Ritter, ungeachtet seines Ranges, einen Tag in der Woche Dienst leisten mußte, nahm sogar Kranke aller Konfessionen auf. Im Zweiten Weltkrieg bombardiert, wurde das Gebäude zu einem Konferenzzentrum (MCC) ausgebaut und durch die Überdachung des großen Innenhofes, der jetzt als Republic Hall der größte Saal Maltas ist, völlig verändert.

Original erhalten ist aber noch der imposante Krankensaal entlang dem St. Lazarus Curtain, wo nun die Experience Show The Knights Hospitallers die alten Ritterzeiten wieder lebendig werden läßt (Mo-Fr 9.30-16.30, Sa, So, Fei bis 13.30 Uhr).

 

Gegenüber liegt der Eingang zur Malta Experience Show, einer Dia-Vorführung zur Geschichte Maltas (auch in deutscher Sprache, stündlich Mo-Fr 10-16 Uhr, Sa, So, Fei 11-13 Uhr).

Am Ende der Lazarus-Kurtine bietet sich der Lower Barracca Garden (40) für eine Pause bei einem Drink an. Im Garten steht der neoklassizistische Tempelbau für Alexander Ball, den ersten britischen Zivilkommissar Maltas.

 

Daneben wurde 1992 zur Feier des fünfzigjährigen Jubiläums der Verleihung des George Cross das postmodern-monströse Siege Monument errichtet. Unterhalb liegt der Fish Market, dessen Besuch vor allem früh morgens zu empfehlen ist.