Entlang der Merchants Street

Über die Christopher Street erreicht man rasch die Merchants Street, die als zweite Hauptachse Vallettas parallel zur Republic Street verläuft. Richtung Fort St. Elmo ist die traditionsreiche Straße der Händler eher eine stille Wohnstraße mit einigen altertümlichen Lädchen und Werkstätten.

Wendet man sich in Richtung City Gate nach rechts, erreicht man nach wenigen Schritten das Collegium des Jesuitenordens mit der Kirche Il Gesù (14) an der Archbishop Street. Die von außen eher unauffällige Kirche, die 1592 mit finanzieller Unterstützung des spanischen Königs erbaut wurde, beeindruckt im Inneren durch eine Barockausstattung von Francesco Buonamici (1596-1677) mit drei überkuppelten Schiffen und zahlreichen Spiralsäulen.

Das Collegium der Jesuiten ist Vorläufer der University of Malta, die seit 1969 auf dem Hügel über dem Msida Creek untergebracht ist.

An der Old Theatre Street liegt, gleich gegenüber der Rückfront des Großmeisterpalastes, die 1859 über einer Eisenkonstruktion errichtete Markthalle (15) Vallettas, die nun zu einer Ladenpassage umgebaut ist: Dort kann man in maltesischen Spezialitäten schwelgen.

Hier beginnen auch die Stände des täglich bis etwa 13 Uhr stattfindenden Il-Monti-Markts, auf dem man außergewöhnliche Souvenirs aus dem wahren Malta entdecken kann: kitschige Jesusbilder neben T-Shirts mit Aufdrucken der aktuellsten Hard-Rock-Helden, Spitzenunterwäsche neben Kopftüchern - aber auch Kassetten aller gängigen Pop-Gruppen, billig und wahrscheinlich Raubkopien.

Doch Vorsicht: Manch ein Käufer hat beim Zoll schon Probleme mit dieser heißen Ware bekommen.

 

Der nächste bedeutende Bau an der Merchants Street ist die Banca Giuratale (16), ein Verwaltungsgebäude aus der Amtszeit Marc Antonio Zondadaris (reg. 1720-22), dessen Wappen das Portal ziert.

Die folgende Querstraße, St. Lucia Street, war ebenso wie die Old Treasury Street durch ihre Nähe zum Palace of the Grand Masters immer eine der besten Geschäftslagen der Stadt und berühmt für ihre Gold- und Silberschmiede. Manche der heutigen Läden zeigen noch ihre schöne alte Front und werden von Familien geführt, die schon im 18. Jh. hier ansässig waren.

Von der St. Lucia Street nach links die St. Paul Street hinunter führt ein Abstecher zur Kirche St. Pauls Shipwreck (17) (tgl. außer So 11-12, 16-18 Uhr), deren pompöse Hauptfassade im Post-Barock-Stil aus dem Jahr 1885 datiert. Das Gotteshaus selbst wurde schon 1569 von Gerolamo Cassar begonnen, 1639 umgebaut und erhielt durch den maltesischen Baumeister Lorenzo Gafà 1680 die Sakramentskapelle sowie den ovalen Kuppelbau.

Ein Werk seines Bruders Melchiore Gafà ist die prächtig bemalte, lebensgroße Holzstatue des hl. Paulus von 1657 im goldstrotzenden Inneren, die alljährlich beim Patronatsfest am 10. Februar durch die Straßen getragen wird.

Bei dieser feierlichen Gelegenheit ist ebenso wie in der Osterwoche auch der außerordentlich reiche Sakralschatz ausgestellt. Das große Altarbild von Matteo Perez da Leccio schildert den biblisch bezeugten Schiffbruch des Apostels Paulus an Maltas Küste, dem die Kirche geweiht ist.

 

Für eine Pause mitten im Markttrubel bietet sich die Bar Ceffina an der Ecke zur St. Johns Street an, in der man die ganze Palette der maltesischen Snacks fürs zweite Frühstück (und einen guten Cappuccino) erhält.

Dann kommt man zur 1748-60 entstandenen Castellania (18), früher das Zivil- und Kriminalgericht des Johanniterordens, in dem heute das Gesundheitsministerium Maltas untergebracht ist.

Sogar der Pranger an der Hausecke zum St. Johns Square, an dem die Missetäter den Schmähungen der Öffentlichkeit preisgegeben wurden, ist noch zu sehen. Die Statuen im marmornen Schmuckfeld über dem Portal symbolisieren die Gerechtigkeit (mit Schwert) und die Wahrheit (mit Spiegel).

Vor der Kreuzung zur Melita Street erhebt sich rechts die Kirche St. James (19), die Kapelle der kastilischen Zunge, die 1710 durch Romano Carapecchia ihre heutige Gestalt eines Zentralbaus in elliptischer Form erhielt.

Höhepunkt der schmuckreichen, mit korinthischen Pilastern verzierten Fassade ist das mit Waffen umkränzte Wappenschild unter dem gesprengten Giebel.

 

Das nächste Gebäude auf derselben Straßenseite ist die Auberge dItalie (20), die Herberge der Italiener. Auch dieser große Palast geht auf einen Entwurf von Gerolamo Cassar (1574) zurück, erhielt aber 1683 unter Großmeister Gregorio Carafa, dessen Wappen und Bronzebüste das Hauptportal zieren, eine neue Fassade.

Heute ist das Gebäude als Hauptpostamt zwar zugänglich, läßt jedoch kaum noch etwas von vergangener Atmosphäre spüren.

Der Palazzo Parisio (21) gegenüber, um 1760 als Palast einer Adelsfamilie errichtet, beherbergt jetzt das Außenministerium.

Der Bau wurde berühmt als Hauptquartier Napoleon Bonapartes, der hier vom 12. bis 18. Juni 1798 residierte.