Entlang der Republic Street

Am City Gate beginnend, verläuft die Republic Street auf dem Kamm der Halbinsel längs durch die Stadt - bis hinunter zum berühmten Fort St. Elmo, hinter dem hellblau das Meer schimmert. Die diversen Namenswechsel der Straße - unter den Johannitern hieß sie Strada Reale, zu britischen Zeiten Kingsway, nun offiziell Triq ir-Repubblika - zeichnen die geschichtlichen Umschwünge Maltas nach. Heute ist sie als Hauptgeschäftsstraße Vallettas die beliebteste Flaniermeile der Malteser und mit Ausnahme der frühen Nachmittagsstunden für den Verkehr gesperrt.

Gleich gegenüber dem Tor liegt die Ruine des 1942 ausgebombten Royal Opera House (3), das 1866 als Werk von Edward Barry in neoklassizistischem Stil entstand. Sie ist bis heute ein Mahnmal der furchtbaren Kriegsschäden, von denen nur 15 Prozent der Häuser Vallettas verschont blieben.

Von den Wunden, die der Stadt damals geschlagen wurden, zeugt auch der viel zu große, arkadengesäumte Freedom Square, ein Werk der Nachkriegszeit. Das schönste Gebäude hier ist der Palazzo Ferreria (4) aus dem Jahr 1877. Der Name der Querstraße, Ordnance Street, erinnert an die Waffenschmiede der Johanniter, die einst hier stand.

Noch aus den Zeiten der Ritterherrschaft stammt die Kirche Santa Barbara (5) etwas weiter an der Republic Street, ursprünglich die Kirche für die Landsmannschaft der Ordensleute aus der Provence. Die klassischen Reminiszenzen, etwa die ionischen Säulen und den Schriftfries, verdankt sie einem Umbau im 19. Jh. Jeden Sonntag finden hier Messen auch in deutscher Sprache statt.

Schräg gegenüber liegt die Kirche St. Francis (6), die 1598 gegründet und 1681 auf Kosten von Großmeister Gregorio Carafa im Stil des Barock umgestaltet wurde. Das Deckengemälde Die Apotheose des hl. Franziskus stammt von dem maltesischen Maler Giuseppe Cali (1846-1930), einem Barockepigonen in der Tradition Tintorettos.

 

Die Auberge de Provence (7), die ehemalige Herberge der provenzalischen Landsmannschaft, stammt wie alle anderen ritterlichen Repräsentationsgebäude dieser Art in Valletta von Gerolamo Cassar (1520-1586). Der in Gudja geborene Malteser hatte als Assistent von Francesco Laparelli da Cortona begonnen und war 1568 zum neuen Stadtbaumeister ernannt worden. Die heutige manieristische Fassade der Auberge de Provence mit massigem Bossenwerk an den Ecken geht jedoch auf einen Umbau im Jahr 1638 zurück.

Sehenswert ist der große Saal des Piano Nobile, der sich über die gesamte Front erstreckt und mit seinen bemalten Wandpaneelen sowie der beschnitzten Kassettendecke einer der schönsten Räume aus der Ritterzeit ist. Seit im Jahr 1960 das Archäologische Nationalmuseum das Gebäude übernahm, sind diese Räumlichkeiten wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Zuvor waren hier nur die Mitglieder des berühmten britischen Union Club erwünscht, der ab 1824 in der Auberge de Provence residierte.

Die Bestände des National Museum of Archaeology (16. Juni-30. Sept. tgl. 7.45-14 Uhr, sonst Mo-Sa 8.15-17, So bis 16.15 Uhr) gehen zurück auf die Sammlung von Themistokles Zammit (1864-1935), der als erster mit der planmäßigen Ausgrabung von Bauten aus der Jungsteinzeit begonnen hatte und von 1903 bis 1935 Direktor des Museums war.

Nach dem Umbau ab 1996 erstrahlt das Innere in neuem Glanz, zumindest im Erdgeschoß, das die neolithische Epoche (ca. 5200-2500 v. Chr.), vor allem die berühmte maltesische Megalithkultur dokumentiert. 1999 soll auch das Obergeschoß wieder geöffnet werden. Die Objekte sind nun mehrsprachig präsentiert. Im Museumsshop erläutert eine Videopräsentation historische Hintergründe.

Besondere Beachtung verdienen die Großplastiken aus den Tarxien-Tempeln (2800-2500 v. Chr.), die gleich nach der Freilegung gesichert wurden und daher kaum Verwitterungsschäden aufweisen. Blockaltäre und Wandschranken sind mit verzweigten Spiralmustern vor einem Hintergrund aus feinen Punktbohrungen versehen, deren symbolische Bedeutung bis heute unklar ist.

 

Unter den zahlreichen Kleinexponaten aus der maltesischen Frühgeschichte fallen vor allem die Magna Mater-Figuren auf, die einem festen Darstellungskanon folgen. Sehr oft besitzen die als Votivgaben entstandenen Abbilder der weiblichen Gottheit der Megalithiker eine Nut, um einen offenbar auswechselbaren Kopf zu befestigen.

Die berühmtesten Plastiken Maltas sind aber die Venus aus Hagar Qim und die beiden Schlafenden Priesterinnen, winzige, fein modellierte Tonskulpturen mit polierter Oberfläche. Im Gegensatz zu den Votivfiguren sind sie überaus lebensecht gestaltet, die Venus nackt in mütterlicher Weiblichkeit, die Priesterinnen schlafend auf einer Holzbank.

Große Bedeutung hatte die Entdeckung des Cippus, eines Doppelgrabsteins mit einer Anrufung des phönizischen Gottes Melkart aus dem 3. Jh. v. Chr. Diese Inschrift auf dem Sockel des Steins ist in phönizischer und griechischer Sprache ausgeführt und ermöglichte dem Franzosen Abbé Barthélemy im 18. Jh. die Entschlüsselung des Alphabets der Phönizier.

Darüber hinaus werden Grabmodelle, Sarkophage und Grabbeigaben der phönizisch-punischen Epoche des 1. Jh. v. Chr. präsentiert sowie Funde aus der byzantinischen und arabischen Zeit. Im Rittersaal kann man die Stadtentwicklung Vallettas verfolgen.

Vom Museum sind es nur wenige Schritte zum Blumenkiosk an der Ecke St. Johns Street, dort geht es rechts zur St. John’s Co-Cathedral (8) (Mo-Fr 9.30-12.30, 13.30-16.30 Uhr, Sa nur vorm.). Die dem hl. Johannes geweihte Kathedrale von Valletta wurde 1573-77 von Gerolamo Cassar als Konventskirche des Johanniterordens errichtet; die Seitenflügel mit der Sakristei (links) und der Residenz des Großpriors (rechts) wurden im 17. Jh. hinzugefügt.

1816 erhob Papst Pius VII. das nach dem Abzug des Ordens verwaiste Gotteshaus zur zweiten Kathedrale des Erzbistums Malta. Ausgestattet mit den gleichen Privilegien wie der Bischofssitz in Mdina, erhielt sie daher den merkwürdigen Titel einer Co-Kathedrale.

 

Die Fassade mit dem antikisierenden Dreiecksgiebel entspricht dem Formenkanon des Manierismus mit Anklängen an den spanischen Desornamentado. Die beiden dreigeschossigen Glockentürme tragen oktogonale Spitzen, die im Zweiten Weltkrieg entfernt wurden, um dort Flak-Geschütze zu postieren, seit kurzem aber wieder aufgesetzt sind. Am rechten Turm ist ein dreiteiliges Uhrwerk aus der Johanniterzeit zu sehen, das die Stunde (ohne Minutenzeiger), den Wochentag und den Monatstag angibt.

Im Vergleich zu der schmucklosen Fassade wirkt das Innere der Kathedrale um so prächtiger - die Kirche wurde nicht nur von den Würdenträgern des Ordens reich bedacht, sondern war auch mit einem Pflichtteil beteiligt an der Beute der Karawanen, den Kaperfahrten der Galeeren des Ordens gegen muslimische Handelsschiffe. Das einschiffige Langhaus wird über 58 m von einem durchlaufenden Tonnengewölbe überdacht, was dem Bau fast monumentalen Charakter verleiht.

Die Ausstattung im reich dekorierten Stil des Seicento stammt von dem calabrischen Maler Mattia Preti (1613-1699). Im Jahr 1661 erhielt er den Auftrag zur Umgestaltung der Konventskirche. Fast 40 Jahre lang arbeitete er im Dienst der Johanniter und wurde dafür auch als Ehrenritter in den Orden aufgenommen.

Der im 19. Jh. leider schlecht übermalte Bildzyklus im Tonnengewölbe stellt Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers, des Schutzheiligen der Ordensritter, dar. Mattia Preti entwarf auch die Vorlagen für die vergoldeten Hochreliefs an den Wänden. Sie zeigen Waffen, Rüstungen, Fabeltiere, heraldische Symbole der Großmeister und der Zungen sowie das achtspitzige Malteserkreuz, das Wappen des Ordens.

Besonders prunkvoll ist aber der Fußboden, den annähernd 400 in Kosmatentechnik gearbeitete Grabplatten bedecken. Unter den wundervollen Intarsienarbeiten aus verschiedenfarbigem Marmor ruhen höhere Würdenträger des Ordens, deren Abstammung, Titel und Taten in lateinischer Sprache aufgelistet sind.

Das Grab Mattia Pretis, der 1699 auf Malta starb, liegt vor dem ersten Pfeiler links vom Eingang. Nur die Großmeister wurden in aufwendig skulptierten Sarkophagen in den acht der 14 Seitenkapellen bestattet, welche den Zungen zugeordnet wurden.

 

Rechts vom Chor liegt die Sakramentskapelle mit der Nische der Madonna von Philermos. Die uralte namensgebende Marien-Ikone aus dem Philerimos-Kloster auf Rhodos soll 1798 an den Zarenhof überführt worden sein und ging dort in der Revolution verloren.

Heute wird hier ein von Gregorio Carafa 1671 gestiftetes Madonnenbild verehrt. Als Siegeszeichen hängen hier noch die rostigen Schlüssel der osmanischen Festungen Hammamet, Lepanto und Passava, die 1601 von den Johannitern geplündert wurden. Carafa verdankt die Kathedrale auch den Hochaltar aus Marmor, Lapislazuli und Gold im Chor.

Die Figurengruppe der Taufe Christi in der Apsis ist ein Werk des Italieners Giuseppe Mazzuoli (1644-1725).

Links vom Chor öffnet sich hinter der St. Michaels-Kapelle der Zunge der Provence die Reliquienkapelle mit einer Holzfigur des hl. Johannes, die von der berühmten Großen Karrake stammt, dem Flaggschiff des Ordens bei seiner Flucht aus Rhodos im Jahr 1522.

An der St. Paulus-Kapelle der Zunge von Frankreich vorbei erreicht man die St. Catharina-Kapelle der italienischen Zunge mit der Grabskulptur für Gregorio Carafa (1690), einer kostbaren Pietra-Dura-Arbeit des Faltenwurfs und der Säulen. Über dem Durchgang zur französischen Kapelle hängt der hl. Hieronymus von Caravaggio (1608), ein Porträt seines Gönners Alof de Wignacourt.

Die übernächste Drei-Königs-Kapelle der deutschen Landsmannschaft ist mit Wandreliefs ausgeschmückt, die den doppelköpfigen Adler, das Wappentier des deutschen Kaisers, zeigen.

Die Grabplatten am Boden tragen deutsche Namen - etwa Wolfgang Philipp Baron von Guttenberg (1733), der 63 Jahre lang auf Malta lebte, bis zum Großbailli der deutschen Zunge aufstieg und sich vor allem durch den Bau sozialer Einrichtungen auszeichnete.

Unter dem Skelett ist das Motto zu lesen: Fuit et tu non eris. Fumus, humus sumus, et cinis est nostra ultima finis (Er ist gewesen, und du wirst nicht sein. Rauch, Erde sind wir, und Asche ist unser letztes Ende).

 

Nicht verpassen sollte man das Oratorium (rechts vom Eingang), das das Prunkstück der Kathedrale enthält: Die Enthauptung des hl. Johannes von Michelangelo da Caravaggio. Dem Betrachter bietet sich die dramatische Momentaufnahme eines Geschehens, das der Maler hier in seinem charakteristischen realitätsnahen Stil eingefangen hat.

Die Enthauptung ist mit dem ersten Schwertstreich nicht gelungen, und der Henker vollendet gerade sein Werk mit dem Messer. Links reicht Salome das Tablett für den Kopf des Johannes, während der Kerkermeister unbeteiligt die Vollendung anweist. Eine ältere Frau hebt klagend die Hände und schaut auf das hilflos am Boden liegende Opfer.

In das Blut, das aus der Halswunde des Täufers strömt, schrieb der Künstler fr. michelang, die einzige Signatur in seinem Gesamtwerk - bezeichnend für einen Mann, der sogar einmal eine Wasserleiche als Modell verwendete.

Im Kathedralmuseum werden neben kostbaren Meßgewändern, Chorbüchern und Sakralgeschirr des 15./16. Jh. 28 flämische Tapisserien aus der Brüsseler Hofmanufaktur des französischen Königs Ludwig XIV. gezeigt.

Sie waren das Antrittsgeschenk des Großmeisters Ramon Perellos und wurden zwischen 1697 und 1700 von Judecos de Voss nach Entwürfen von Peter Paul Rubens und Nicolas Poussin hergestellt. Alljährlich zum Johannisfest am 24. Juni werden sie in der Kathedrale ausgehängt.

Unter den Arkaden des Kathedralvorplatzes bietet das Malta Crafts Center einen Querschnitt maltesischen Kunsthandwerks an (im Sommer 8-13 Uhr, sonst 8-12.30, 14-17 Uhr). Lohnend ist auch ein Abstecher in die Zachary Street, eine der belebtesten Einkaufsstraßen Vallettas.

Zurück auf der Republic Street erreicht man nach wenigen Metern den kleinen Great Siege Square. Vor dem bombastischen Justice Court (9), der 1967 auf den Fundamenten der 1942 durch Bomben zerstörten Auberge dAuvergne errichtet wurde, verbummeln die alten Männer ihre Zeit und debattieren über die neuesten Ereignisse des Tages.

Das Monument von Antonio Sciortino erinnert an die Große Belagerung durch die Armee des osmanischen Sultans im Jahr 1565. Hier werden alljährlich am 8. September, dem Tag des Abzugs der Türken (heute nationaler Feiertag), Kränze niedergelegt.

 

Zur St. Lucia Street hin warten immer einige karozzini auf Kundschaft: Von diesen Pferdedroschken aus der Tradition des kolonialen Empire kann man sich angenehm durch Valletta kutschieren lassen. Der Preis ist Verhandlungssache, jedoch sollten Sie die Strecke vorher festlegen!

Unbestrittener Mittel- und Treffpunkt der Stadt ist der Republic Square, über dem die Marmorstatue von Queen Victoria aus dem Jahr 1891 thront. Hinter den vielen Sonnenschirmen der altehrwürdigen Kaffeehäuser fällt die Bibliotheca (10) kaum auf (Mo, Di, Do, Fr 8-17.45, Sa bis 13 Uhr, im Sommer 8-14 Uhr). Der klassizistische Bau mit seinem hohen Arkadengang entstand 1796 als letztes Bauprojekt des Ordens und ist heute Nationalbibliothek.

 Die Sammlung geht auf die 1555 gegründete Ordensbibliothek zurück und enthält das gesamte Archiv der Johanniter bis 1798, aber auch modernere Werke. In seinem alten Lesesaal sind in Vitrinen einige der historisch bedeutenden Dokumente ausgestellt.

Der Palace of the Grand Masters (11), einst Sitz der Großmeister des Johanniterordens, grenzt direkt an den Republic Square. Ab 1800 war er Residenz der britischen Gouverneure, heute dient er als Sitz des Präsidenten und des Parlaments der Republik Malta.

1571 begann Gerolamo Cassar mit dem Bau, doch erst im 18. Jh. bekam er seine heutige Gestalt mit den um die Ecken verlaufenden Holzgalerien und zwei großen Barockportalen auf der Frontseite zum Palace Square.

Der rechts gelegene Eingang führt in den Prince Alfred Court. Diesem ersten Innenhof spenden exotische Bäume Schatten, die 1858 aus den fernöstlichen Kolonien importiert und hier gepflanzt wurden.

Leider kaum zu sehen ist das Uhrwerk auf dem Dach über dem Löwenportal, das eine exakte Kopie des Werks am Torre dellOrologio in Venedig darstellt: Zwei Figuren, die als türkische Diener gekleidet sind, schlagen die Stunde. Darunter wird neben Stunde, Wochentag und Monatsdatum auch noch die Mondphase angezeigt.

 

Etwas tiefer liegt der zweite Innenhof, auf den sich das linke Portal öffnet: Der Neptune Court ist nach der Bronzeskulptur benannt, die sich im Zentrum des Hofes auf einem Podest unter den Palmen erhebt.

Sie ist die Kopie einer Figur von Giovanni da Bologna, mit der Alof de Wignacourt 1612 einen Brunnen am Fischmarkt krönte. Im Gebäudetrakt gegenüber dem Eingang befanden sich die Pferdeställe, der Wandbrunnen mit dem Wappen von Ramon Perellos diente als Tränke.

In den Stallungen ist heute die Waffenkammer (tgl. 8.30-17 Uhr, im Sommer 8-14 Uhr) untergebracht, die einst Rüstungen für 25 000 Soldaten besaß. Mit ihren 5700 erhaltenen Stücken soll sie eine der größten Sammlungen des 16./17. Jh. sein. Ausgestellt sind Panzerungen aus französischen, mailändischen und venezianischen Schmieden, Hellebarden, Gewehre, Kanonen sowie eine komplette Schlachtordnung von Fußsoldaten in voller Kampfmontur.

Zu den wertvollsten Exponaten gehören die 110 Pfund schwere, goldverzierte Paraderüstung von Alof de Wignacourt (reg. 1601-22) und die Prunkrüstung von Großmeister Martin de Garzez (reg. 1595-1601).

Die State Rooms, die Zimmerfluchten im Piano Nobile, dienen heute als Empfangsräume des maltesischen Präsidenten, können aber besichtigt werden (16. Juni-30. Sept. Mo-Fr 8-12.45 Uhr, sonst Mo-Mi 8.30-15.45, Do-Fr bis 16 Uhr; zu offiziellen Anlässen geschl.). Vom Neptunshof führt eine breite Wendeltreppe hinauf, der Besuchereingang liegt jedoch in der linken Ecke des Prince Alfred Court.

Von dort gelangt man direkt in den Armoury Corridor, den prunkvollen Flur vor dem heutigen Parlamentssaal, einst die Rüstkammer der Johanniter. Den Marmorboden schmücken die Wappen des Ordens, seiner Landsmannschaften sowie der Republik Malta in Einlegearbeit.

Die Bemalung der Decke und der Wände stammt von Niccolo Nasini da Siena (1691-1773) und ist 1723-25 entstanden. Die Porträts bilden eine komplette Galerie der Ordensgroßmeister auf Malta.

 

Im früheren Kleinen Ratssaal, heute Tapestry Chamber genannt, tagte lange Zeit das Parlament: Das Gestühl ist noch vorhanden, links saß die Regierung, rechts die Opposition, auf den Bänken vorne die Presse. Hier werden die zehn Tapisserien des Zyklus Les Tentures des Indes gezeigt, die Ramon Perellos im Jahr 1700 in der königlichen Gobelinmanufaktur Ludwigs XIV. herstellen ließ.

Die Entwürfe für die Darstellungen der Flora und Fauna der Neuen Welt gehen zurück auf eine Reise des Prinzen Johann Moritz von Nassau-Siegen als Gouverneur der holländischen Westindischen Gesellschaft in Brasilien (um 1640), die Ausführung stammt von Le Brun. Da die exotischen Szenen an europäischen Fürstenhöfen sehr begehrt waren, sind die Wandbehänge zahlreich nachgearbeitet worden.

Dieser Satz soll jedoch der älteste vollständig erhaltene sein. Ein breiter gemalter Fries über den Gobelins schildert die Seeschlachten des Ordens.

Die State Dining Rooms am Beginn des Korridors sind mit Porträts von Mitgliedern des englischen Königshauses (Stand 1960er Jahre) geschmückt. Die anschließende Hall of the Supreme Court ist heute der Empfangssaal des Staatspräsidenten.

Szenen aus der Großen Belagerung von 1565 reihen sich auf einem umlaufenden Fries, den der Michelangelo-Schüler Matteo Perez da Leccio (1547-1629) um 1580 malte. Gegenüber dem Stuhl des Großmeisters, der nun dem Präsident bei offiziellen Anlässen einen würdigen Sitzplatz bietet, ist ein vergoldeter Balkon zu sehen, den Szenen aus der Schöpfungsgeschichte im Stil des 15. Jh. schmücken. Das Holz soll noch aus der Admiralsgaleere des Ordens aus seiner Zeit auf Rhodos stammen.

Die beiden folgenden Räume, der Rote Saal (Ambassadors Room) und der Gelbe Saal (Pages Waiting Room), sind im Louis-Quinze-Stil eingerichtet und verdanken ihren Namen den Farben ihrer Damastauskleidung. Die Friese erzählen Szenen aus der Geschichte der Johanniter in Palästina und auf Rhodos.

Auf dem Palace Square, an nationalen Feiertagen ein Schauplatz für Militärparaden, erinnert ein Bronzemonument an den Sette-Giugno-Aufstand.

Der prunkvolle Palazzo Verdelin (12) zur Archbishop Street hin entstand 1672 und ist heute Veranstaltungsort der englischsprachigen Diashow Wartime Experience, die mit vielen historischen Fotos die Rolle Maltas im Zweiten Weltkrieg dokumentiert.

An der Republic Street, die nun zum Fort St. Elmo hin abfällt, ist vor allem die Casa Rocca Piccola (13) sehenswert. Dieser mit historischen Möbeln und Erinnerungen vollgestopfte Stadtpalast einer alten maltesischen Adelsfamilie ist heute für die Öffentlichkeit zugänglich (Mo-Sa 10-13 Uhr stündl. eine Führung).