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Jean Parisot de la Valette,  * 1494,  † 21. August 1568
Jean Parisot de la Valette, * 1494, † 21. August 1568

Jean Parisot de La Valette

 

VALETTE, Jean Parisot de la, siebenundvierzigster Großmeister des souveränen militärischen und Krankenpfleger-Ordens des hl. Johannes zu Jerusalem, zu Rhodos und zu Malta, * 1494 in Quercy, † 21. August 1568 auf Malta. J.P.V. stammte aus einer alten und vornehmen provenzalischen Familie.

 

Im Alter von 20 Jahren ist J.P.V. in den Orden eingetreten. Die Gelübde des Ordens - Armut, Keuschheit und Gehorsam den Ordensregeln gegenüber - waren für ihn eherne Prinzipien. Dieser Umstand verdient besondere Erwähnung, weil nicht erst im 18. Jahrhundert viele Ritter die Ordensgelübde als eher formelle Voraussetzung für die Aufnahme in den Orden ansahen.

1541 wurde J.P.V. bei einem Seegefecht schwer verwundet und geriet in Gefangenschaft. Für die Dauer eines Jahres musste er als Galeerensklave (über)leben, bis er im Rahmen eines Gefangenenaustausches zwischen dem Orden und nordafrikanischen Piraten wieder frei kam. J.P.V. bekleidete im Laufe der folgenden Jahre fast alle wichtigen Ämter des Ordens.

 

Nachdem er sich auf dem äußerst schwierigen Posten eines Gouverneurs von Tripolis bewährt hatte, war er Komtur von Lango, Großkommandeur und Großprior von St. Gilles, Stellvertreter des Großmeisters und Großadmiral der Flotte. 1557 wurde J.P.V. in Nachfolge des am 17. August verstorbenen Claude de la Sangle einstimmig zum neuen Großmeister des Ordens gewählt.

 

Eine seiner ersten Amtshandlungen stellt bezeichnenderweise die Freilassung von Marschall la Vallier dar. La Vallier war unter Großmeister Juan d'Omedes 1551 zu Unrecht für den Verlust von Tripolis verantwortlicht gemacht und daraufhin eingekerkert worden. Diese uneigennützige Annullierung eines offensichtlichen Unrechtsurteils einer seiner Vorgänger weist auf ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl J.P.V.'s hin.

Auf administrativer Ebene konnte J.P.V. 1558 einen Erlass des spanischen Königs Philipp II. durchsetzen, kraft dessen dem Orden die Zuständigkeit für Lehnsstreitigkeiten zugesprochen und im Gegenzug jeder Einfluss des Schatzamtes von Sizilien unterbunden wurde.

 

Die zugleich verfügte Befreiung von der Pflicht, den Vizekönig von Sizilien - zu dieser Zeit Don Garcia de Toledo - um Belehnung ersuchen zu müssen, verhinderte die unerwünschte Einmischung der königlichen Minister.

 

Zu einer weiteren Stärkung des Ordens führte die Übertragung von Rechten und Privilegien, die bislang der Universität, einer Selbstverwaltungseinrichtung des maltesischen Adels, zugestanden hatten. Der Amtsantritt J.P.V.'s war jedoch vor allem durch umfassende Vorbereitungen auf den sich abzeichnenden Großangriff der Türken bestimmt.

 

Strategisch betrachtet kam Malta in mehrfacher Hinsicht eine Schlüsselposition zu. Die Herrschaft über die Insel hätte den Türken den Zugang zum westlichen Mittelmeer eröffnet und zugleich ein zangenartiges Vorgehen gegen Italien ermöglicht. Dennoch erfuhren die Malterserritter keinerlei nennenswerte Unterstützung durch die europäischen Großmächte. Lediglich Spanien entsandte ein kleines Truppenkontingent.

 

Papst Pius IV. schickte dem unter seiner persönlichen Jurisdiktion stehenden Orden die Summe von 10.000 Kronen.

Siege of Malta (1565)
Siege of Malta (1565)

Als der türkische Großangriff am 18. Mai 1565 begann, sahen sich 600 bis 700 Ritter mit etwa 9.000 Mann Hilfstruppen einer türkischen Übermacht von schätzungsweise 40.000 Mann gegenüber. Die Entscheidung J.P.V.'s, die türkischen Kräfte im Kampf um das Fort St. Elmo zu binden, beweist taktisches Empfinden. Die menschlichen Qualitäten des Großmeisters treten hingegen besonders durch mehrere Entscheidungen zu Tage, die er nach dem Fall von Fort St. Elmo traf.

 

Um die Vorräte der belagerten Städte Birgu (das heutige Vittoriosa) und Senglea zu verbessern, ließ J.P.V. die letzten bei Privat- und Kaufleuten verbliebenen Lebensmittel nicht etwa requirieren, sondern zu einem gerechten Marktpreis aufkaufen - ein Verhalten, dass nicht nur in der Kriegsführung des 16. Jahrhunderts seinesgleichen sucht. Ebenso ungewöhnlich mutet es vor dem Hintergrund der damaligen Gebräuche an, dass J.P.V. seine Entscheidung, Birgu und Senglea bedingungslos zu verteidigen, der Bevölkerung und den Soldaten persönlich dargelegt hat.

 

Am 23. August 1565 widersetzte sich der Großmeister schließlich erfolgreich dem Drängen des Großen Rates, die Stadt Birgu aufzugeben und die Verteidigungsanstrengungen auf das Fort St. Angelo und auf Senglea zu konzentrieren. Diese Entscheidung war zwar primär taktisch motiviert, basierte jedoch auch auf einem anderen Aspekt: J.P.V. weigerte sich ausdrücklich, die zivile Bevölkerung Birgus schutzlos im Stich zu lassen.

Jean Parisot de la Valette
Jean Parisot de la Valette

Als die Belagerung Maltas am 8. September 1565 erfolglos abgebrochen werden musste, war der Vormarsch der Türken auf Südeuropa gestoppt. Dieses für die weitere europäische Entwicklung so wichtige Ereignis stellt zum erheblichen Teil das Ergebnis des Wirkens J.P.V.'s dar.

 

Die ihm nach dem Sieg über die Türken durch Papst Pius V. angetragene Kardinalswürde lehnte J.P.V. ab, wohl auch, um sich die für seine Stellung notwendige Unabhängigkeit zu bewahren.

 

Um etwaigen künftigen Angriffen standhalten zu können, wurde die Landzunge, auf der das Fort St. Elmo gestanden hatte, nach den Plänen des vom Papst persönlich ausgewählten italienischen Baumeisters Francesco Laparelli mit neuen Verteidigungsanlagen und einer neuen Stadt bebaut.

 

Am 28. März 1566 legte J.P.V. unter Anrufung des Namens Gottes und der Bitte um Fürsprache der heiligen Jungfrau und des heiligen Johannes des Täufers, den Grundstein. Die Stadt wurde nach ihm Valetta genannt. J.P.V. starb am 21. August 1568, gut drei Jahre nach der Belagerung, an den Folgen eines Schlaganfalls.

 

Sein Sarkophag ist von seinem ursprünglichen Platz in der Kirche Our Lady of Victories in die Krypta der Johanneskathedrale in Valetta gebracht worden.