Rund um den Castille Place

Den Castille Place, den Hauptverkehrsknotenpunkt der Hauptstadt, beherrscht die Auberge de Castile et Léon (22), die Herberge der kastilischen Zunge. Dieser eleganteste Palast Vallettas wurde 1744 von dem maltesischen Architekten Domenico Cachia anstelle eines schlichten Vorgängerbaus aus der frühen Zeit der Ordensherrschaft errichtet.

Über dem prächtigen Eingangsportal thront die Bronzebüste von Manoel Pinto. Der Bau dient heute als Amtssitz des maltesischen Ministerpräsidenten. Rund um das Machtzentrum Maltas wurden in den linken 70er Jahren zwei Statuen früher Helden der maltesischen Arbeiterbewegung aufgestellt.

Vor der Auberge grüßt aus einer Rabatte Manwell Dimech (1860-1921) herüber, der erste Sozialist Maltas, vor den mächtigen Mauern des St. James Cavalier blickt Sir Paul Boffa, der erste Premier der Labour Party, die Merchants Street hinunter.

Die Kirche Ta Vittoria (Our Lady of Victories) (23) hinter ihm ist das älteste Gotteshaus Vallettas. Den Grundstein legte 1566 noch Großmeister La Valette kurz nach dem Sieg in der Großen Belagerung. Im 17. Jh. entstand die heutige Fassade mit der Büste des Papstes Innocenz XI. über dem Portal.

Die Kirche Santa Catarina dItalia (24) direkt gegenüber war das Gotteshaus der italienischen Zunge des Johanniterordens, die ihre Herberge gleich dahinter hatte. Der oktogonale Zentralbau mit einer kleinen wohlproportionierten Vorhalle ist ein Werk von Romano Carapecchia (1668-1738), der als Militärarchitekt für den Orden arbeitete und in Valletta drei weitere Kirchen mit Zentralplan schuf (u. a. Santa Barbara und St. James).

 

Auf der anderen Seite des Castille Place erreicht man den Eingang der Upper Barracca Gardens (25) (tgl. bis 22.45 Uhr), die den schönsten Ausblick über den Grand Harbour bieten. Sie liegen auf der St. Pauls Bastion, für deren Verteidigung einst die italienische Zunge zuständig war, und wurden daher früher Belvedere dItalia genannt.

Zahlreiche Skulpturen und Monumente aus dem 19. und 20. Jh. erinnern in den blumenreichen Gärten an bedeutende Persönlichkeiten. Auch eine Figurengruppe von Antonio Sciortino, Les Gavroches (Die Gassenjungen), ist hier aufgestellt. Die umlaufenden Arkaden waren, damals noch überdacht, ein konspirativer Treffpunkt der Verschwörung der Priester, die 1775 wegen einer Steuererhöhung einen Aufstand gegen die Ordensregierung anzetteln wollten.

Die Sache flog auf, die Aufrührer wurden zum Tode verurteilt - und die Arkaden abgedeckt.

Von den Upper Barracca Gardens führt ein Abstecher zur Hafenfront durch die St. Ursula Street, eine der typischen Treppenstraßen Vallettas. Der Platz vor dem altgedienten Hotel Grand Harbour läßt vergangene Zeiten lebendig werden, fast wartet man darauf, einen Ritter mit seinen Pagen um die Ecke biegen zu sehen.

Über eine Treppe geht es hinunter zum Victoria Gate (26), das 1884 das frühere schmale Del-Monte-Tor ersetzte. Hafenseitig schmücken es die damaligen Wappenschilder Maltas und Vallettas, darüber prangen die Wappentiere und die Krone Großbritanniens mit dem Monogramm der Königin Victoria.

 

Der Platz gleich rechts hinter dem Tor, auf dem heute moderne Wohnhäuser stehen, war früher bekannt als Gnien is-Sultan, Garten des Sultans. Dabei handelt es sich nicht um eine Anspielung auf die Osmanen, sondern auf den Großmeister, der damals von den Maltesern Sultan genannt wurde.

Unten am Kai mit den unter Großmeister Perellos zu Beginn des 18. Jh. erbauten Warenhäusern ankerten früher die großen Dreimastschoner. In der barocken Kirche Notre Dame de Liesse (27) kurz vor dem Lascaris-Tunnel finden beim Arts Festival im Sommer Jazz-Konzerte statt.

Die vielleicht außergewöhnlichste Sehenswürdigkeit ist aber die in den Stollen tief unter den oberen Barracca-Gärten eingegrabene Einsatzleitstelle der britischen Mittelmeerflotte im Zweiten Weltkrieg. Die Lascaris War Rooms (28) (45 Min. Walkman-Führung in Englisch, Mo-Fr 9.30-16, Sa, So 9.30-12.30 Uhr) sind vom Ende des Gnien is-Sultan oder auch von der Gerolamo Cassar Street am Castille Place zu erreichen.

 

Man schlendert durch die scheinbar unveränderte Fliegerwarte oder das Büro von General Eisenhower bei der Sizilien-Operation und läßt sich die entscheidenden Etappen der Kriegsjahre erklären, etwa den großen Schnellbootangriff auf den Grand Harbour oder den Santa Marija Convoy von 1942.