Das "Limestone Heritage Center" auf Malta

Die Anlage des Freilichtmuseums befindet sich in einem ehemaligen Kalksteinbruch.  

Erste Station ist eine Darstellung der vorgeschichtlichen Steinbearbeitung.

Vorgeschichtliche Steinbearbeitung

 

Vor der Erfindung des Metalls verwendete man Steinwerkzeuge.

Der Transport erfolgte auf Steinkugeln.

Typische Steinhämmer und Steinknollen zur Bearbeitung.

Modell einer vorgeschichtlichen Tempelanlage, wie sie für die megalithischen Bauwerke Maltas charakteristisch ist.

Später verwendete man zur Gewinnung und Verarbeitung der Steinblöcke Metallwerkzeuge zum Spalten und Behauen.

Gewinnung der Rohblöcke im Steinbruch bis zur Einführung moderner Maschinen

 

Mit langstieligen Schrämhacken wurden zunächst senkrechte Schrämkanäle gegraben.

Sie reichten bis in die Tiefe der gewünschten Blockhöhen.

 

Durch horizontales Eintreiben von Eisenkeilen an der Unterseite und an der Oberseite sprengte man den Rohblock aus dem Muttergestein.

Auch das weitere Zerkleinern der Blöcke erfolgte durch Eisenkeile.

Die Blöcke wurden anschließend mit schweren Eisenstangen vom Boden abgeschoben.

 

Das Anlegen von Schrämkanälen und anschließende Absprengen von Steinblöcken durch Keile kann schon in den Granitsteinbrüchen der Pharaonen (Assuan) nachgewiesen werden. Diese Methode hat sich bis zur Einführung moderner Steinsägen nur unwesentlich geändert.

Steingewinnung mit Steinsägen

 

In der modernen Abbauphase des maltesischen Steinbruchs wurden die Rohblöcke

nahezu verkaufsfertig mit riesigen Kreissägen horizontal und vertikal herausgeschnitten.

Die Berücksichtigung der natürlichen Schichtung des Gesteins,

welche bei der Steinspaltung eine Rolle spielte, konnte vernachlässigt werden.

 

Das Endprodukt sind normierte Steinblöcke mit den charakteristischen runden Schleifspuren der Kreissägen.

 

Die Wände des aufgelassenen Steinbruchs zeigen deutlich die Unterschiede zwischen

den Einschnitten der modernen Steinsäge und den älteren Hiebspuren der geschrämmten Wände.

 

Der Ausschnitt aus der oben abgebildeten Wand lässt einerseits die natürliche horizontale Gesteinsschichtung erkennen, andererseits die bogenförmigen Hiebspuren der Schrämhacke. Man beachte, dass die zusammengehörigen bogenförmigen Schrämspuren zumeist an einer natürlichen Schichtgrenze enden. Die Dicke des Rohblocks stand demnach im Zusammenhang mit der Höhe der natürlichen Steinschichtung (sogenannte Bankung).

 

Typische Schleifspur der horizontal geführten Steinsäge mit "Kreissägeblatt".

Auch die weitere Verarbeitung und der Transport erfolgte nun durch Maschinen.

Zum Vergleich die händische Verarbeitung und die einfachen Transportgeräte der vormaschinellen Epoche.

 

Das Freilichtmuseum zeigt auch eine Auswahl an Steinbearbeitungswerkzeugen und einen Querschnitt durch die Verwendung von Hausteinprodukten in der ländlichen Architektur Maltas.

 

Werkzeuge zur Steinbearbeitung

Im Informationszentrum des „Limestone Heritage Center“ sind zahlreiche Werkzeuge ausgestellt und in Englisch bzw. Maltesisch beschriftet.

 

Sie fanden bis zur Stillegung des Kalksteinbruches Verwendung.

Werkzeuge zum Abtrennen der Blöcke im Steinbruch

Set of trenching pickaxes (Sett Rqaqen Tat-Trinka)

Verschiedene Formen der Schrämmhacken. Die Stiele

haben oft eine beachtliche Länge. Mit ihnen werden

besonders tiefe Schrämmkanäle herausgearbeitet

Trenching Spade (Mgnazqa Tat-Trinka)

 

Mason’s Jib (Grabja) – Brechstange zum Abhebeln

der abgespaltenen Rohblöcke im Steinbruch.

Davor verschiedene Werkzeuge:

Flexible Saw (Gbbiesa, Bandsäge) und

Stonecutter’s small hatchet (Mterqa Tal Ingulmar)

Darstellung des Abhebelns der Rohblöcke aus dem

Muttergestein im Freilichtmuseum

 

 

Werkzeuge zum Spalten

Chisels for separating stone slabs (Skripel Tal-Frieq)

Der Stein wird entlang der gewünschten Spaltzone

vorgeritzt (Sollbruchstelle) oder mit einer Keilnut versehen

und durch Eintreiben der Keile gespalten.

 

Teilen von Rohblöcken

In den Stein werden Keiltaschen (Keilbuchsen) eingeschlagen.

Zur besseren Druckverteilung werden Metallplättchen eingelegt

und die meisselartigen Keile gleichmäßig eingetrieben.

Iron Wedges (Spnajjar) Spaltkeile und Iron Plates (Capep) Eisenplättchen.

Flexible Saw (Gbbieqa), Bandsäge mit zwei Handhaben.

Für bestimmte Aufgaben verwendet man auch Steinsägen

Stonecutter’s Saw. Eine Art Fuchsschwanz-Säge,

die jedoch an beiden Enden einen Metallring als Handhabe hat.

(Im Hintergrund: links Steinhobel,

rechts Gerät zum Anzeichnen der Blöcke).

 

 

Hiebwerkzeuge zur Bearbeitung der Rohblöcke

Links: Mace (Mazza). Dient sowohl als schwerer Hammer zum Einschlagen

der Keile bei der Steinspaltung, als auch zum groben Zurichten von Steinen.

Mitte: Stonecutter’s double hatchet (Mterqa Taz Zweg oder Mterqa Tal Frieq).

Eine Art stumpfes Doppelbeil. Rechts: Oberflächenbearbeitung (Rekonstruktion).

 

Stonecutter’s edged hatchet (Mterqa Tax-Xfar). Ein Doppelbeil mit gezahnter Schneide. Dieses Hiebwerkzeug wird von deutschen Steinmetzen als Doppelzahnfläche oder Doppelzahn-Steinhacke (süddeutscher Raum, Österreich).

 

Das beidhändig geführte Hiebwerkzeug ist wegen der gezahnten Schneide nur für Weichgesteine geeignet. Es dient zum raschen Abarbeiten ebener Oberflächen und ist in Europa schon ab dem Ende des 12. Jahrhunderts in Gebrauch.

Eine Variante der Hiebwerkzeuge mit gezahnter Schneide ist der sogenannte Peckhammer. Bei diesem steht die Schneide nicht senkrecht zum Stiel, sondern quer, ähnlich einem Dechsel.

 

Ausführungen mit glatter Schneide werden als Doppelfläche (Steinhacke) bezeichnet. Damit „geflächte (auch ‘geflechte’) Quader findet man schon an romanischen Bauwerken (ab dem 12. Jahrhundert).

Hardstone Pickaxe (Baqqum Tal Qawwi) ist

in der hier ausgestellten Form eine Kombination

einer Spitzhacke mit einem dechselartigen Gegenstück.

Als Doppelspitz oder Doppelspitzhacke ist es

– neben den Spitzeisen und Meißeln –

eines der ältesten Hiebwerkzeuge zur Steinbearbeitung

Verschiedene Hiebwerkzeuge. Z. B.: links eine Spitzfläche, die als

Kombination aus Spitzhacke und Steinhacke eine Art Universalwerkzeug für die Steinbearbeitung darstellt

Zusammenstellung von Werkzeugen der Steinmetze:

Steinhobel, Lote, Geräte zum Anzeichnen der Steine,

Winkelschmiegen zur Übertragung von Maßen und

kleinere Werkzeuge (Bildhauerwerkzeuge).

 

 

 

 

 

 

Quelle:   blog-bauformen-malta