Fort Rinella

Fort Rinella und das "Armstrong 100 Tonnen Geschütz"

 

1877 kam Sir J.L.Simmons, englischer Hauptkommissar und Experte für Befestigungsanlagen nach Malta, um für das Kriegsministerium einen Bericht über die Verteidigungsanlagen zu erstellen.

Das geschah aus folgendem Anlaß:
Die italienische Marine hatte acht hundert Tonnen schwere Armstrong Geschütze erworben, die an Bord von zwei neugebauten Kriegsschiffen aufgestellt werden sollten.
Diese Geschütze hatten einen Durchmesser von 45 cm und ein Gewicht von 1000kg und konnten eine 38 cm dicke Panzerschutzdecke durchstoßen.
Während dieser Zeit hatte Malta nur 38 Tonnen schwere Geschütze, die eine Reichweite von einem Kilometer hatten.
Sie befanden sich in Forts an der Hafeneinfahrt.

 

Im Januar des folgenden Jahres kam Simmons zu dem Schluß, dass ein großer Unterschied zwischen der Küstenverteidigung Maltas und den neuen italienischen Geschützen bestand.
deshalb riet er, die Befestigungsanlagen der Insel so schnell wie möglich mit 4 Geschützen des selben Typs auszurüsten, den die Italiener in dieser Zeit gebrauchten.

Zwei Monate später beschloß das Kriegsministerium, Malta wenigstens mit zwei Geschützen dieser Art, auszurüsten.
Die Ortsbehörde begab sich auf die Suche nach geeigneten Plätzen und endschied, ein Geschütz westlich von Fort Tigne und das andere östlich dem
Fort Riscasoli zu installieren, wo die Befestigung Rinella später schließlich gebaut wurde.
Das erste der beiden Geschütze kam am 10.09.1882, das zweite am 17.8.1883 nach Malta.
Beide kamen mit dem Dampfschiff "Stanley" aus England, einem Schiff, das zu diesem Zweck auf einer Werft in Sommset gebaut worden war.
Inzwischen hatte man mit Arbeiten an den Kaianlagen der Rinellabucht begonnen, wo das Geschütz landen sollte.
Außerdem begann man mit dem Bau einer Strasse zwischen der Bucht und dem Platz, wo das Geschütz aufgestellt werden sollte.

 

Am 17.08. wurde das Geschütz auf einen besonderen Drehlastschlitten gehoben, und einen Monat später begann man mit dem Transport von der Rinellabucht zu der Befestigungsanlage.
Das dauerte bis zum 04.Dezember, wo das Geschütz schließlich von Soldaten der schottischen Artillerie aufgestellt wurde. Ein gigantischer Kran mußte das Geschütz in die richtige Position bringen. Am 12. Januar 1884 war die Arbeit schließlich beendet.

 

 

Grundriss, Sicht von oben
Grundriss, Sicht von oben
Grundriss, Seitenansicht
Grundriss, Seitenansicht

Fertig gestellt, hatte das Geschütz die Gestalt eines unregelmäßigen Fünfecks mit einer vorspringenden Spitze, die auf das Meer gerichtet war.
100 Tonnen schwer, war es in einer offenen Stellung aus beton installiert, von der aus die Küste einsehbar war.
Der gesamte Betrieb und der Lademechanismus waren in bombensicheren, unterirdischen Kellergewölben, zusammen mit dem Granaten- und dem Pulvermagazin.
Die Unterbringung der Garnison erfolgte in Privatquartieren auf der Rückseite der Stellung. Die Fenster hatten gepanzerte Läden, durch die man Geschütze abfeuern konnte.
Rund um den Bau gab es einen trockenen Schützengraben, mit Bunkern versehen. Außerdem wurde eine Mauer in Richtung Landseite gebaut, die auch mit Schusslöchern ausgerüstet war.
Über die Spannweite des Grabens wurde eine Zugbrücke errichtet, die im Falle eines Angriffs eingezogen werden konnte.

 

Am 12. März 1886 wurde das Geschütz in Gegenwart von zwei Mechanikern ausprobiert. Sie fanden einige Unzulänglichkeiten in der Anlage, die sofort verbessert werden konnten. Das betraf vor allem den hydraulischen Betrieb und den Lademechanismus. Auch das Munitionslager wurde vergrößert und die Schießhöhe markiert. Da das Geschütz vom Meer aus sichtbar war, bekam es einen Anstrich, der wie Felsen aussah.

Zwanzig Jahre lang wurde die Anlage in Alarmbereitschaft gehalten. Am 05.Mai 1905 wurde das Geschütz noch einmal zur Probe eingesetzt, aber es ist nie im Verteidigungsfall benutzt worden.
Schließlich wurde das Fort geschlossen. Zu Beginn des 1. Weltkrieges war es dann wieder in Bereitschaft bis zu dessen Ende.
Danach wurde seine Funktionsbereitschaft aufgegeben, weil es nicht mehr dem modernen Stand der Technik entsprach, beispielsweise in Bezug auf die Reichweite.
1936, als Mussolini sich an dem Krieg in Äthiopien beteiligte, wurde das Fort von den Engländern als Lager für brennbares Material benutzt, da es bombensicher war.

Während des 2. Weltkrieges war das Fort wiederholt Ziel von Bombenangriffen, aber es bewährte sich in seiner Sicherheit.
Bis zur Unabhängigkeit Maltas im Jahre 1964 behielt es seine Funktion als Lager für brennbares Material, später wurde es als Filmkulisse gebraucht.

 

1991 wurde die gesamte Anlage einer Gesellschaft zur Erhaltung und Restaurierung historischer Plätze übergeben.
Seitdem wurde viel für die Wiederinstandsetzung des Forts getan. In Zukunft sind Veranstaltungen geplant, die Besucher in die damalige Zeit zurückversetzen, eine Art "lebendiges Museum".