Sicily Tour, Teil 3

Donnerstag: 30.09.2010

Taormina

 

Die schönste Theaterkulisse der Welt.

Taormina zieht die Besuchermassen an. Während der Sommermonate wird die auf einem Felsvorsprung des Monte Tauro 200 m über dem Meer gelegene Stadt von Busreisenden und Kreuzfahrturlaubern geradezu überschwemmt. Sie durchstreifen den Ort, um sich das Griechische Theater anzuschauen, und um die zahlreichen Souvenirläden und Lokale aufzusuchen.

Bereits im 19. Jh. zog das milde Klima in den Wintermonaten die ersten Reisenden aus Mittel- und Nordeuropa an. Das kleine Städtchen mit dem berühmten antiken Theater entwickelte sich rasch zur bevorzugten Winterfrische des reiselustigen Großbürgertums, des Adels sowie der Künstler und Intellektuellen.

Der Hauch des Vornehmen ist inzwischen größtenteils dem Tagestourismus gewichen. Geblieben ist das antike Theater mit seiner einzigartigen Kulisse von Meer, Stadt und Vulkan. Von hier erscheint der Ätna als ein sanftblaues Zelt mit weißer Haube über dunkelgrünen Orangenwäldern.

Geschichte

Bereits in sikulischer Zeit war der Monte Tauro besiedelt. Die strategisch bedeutende Lage auf einem Felsvorsprung zog 396 v. Chr. die Karthager an, und Hamilkar gründete das antike Tauromenion.

Doch schon vier Jahre später eroberte Dionysios I., Tyrann von Syrakus, die Stadt. 215 v. Chr. kamen die Römer. Ihnen folgten die Byzantiner, die Araber und die Normannen.

Der im 19. Jh. allmählich einsetzende Tourismus war nicht so sehr am mittelalterlichen Taormina interessiert, vielmehr an den antiken Hinterlassenschaften. 1860 hielt der Maler Otto Geleng das Theater und die faszinierende landschaftliche Kulisse in einigen Gemälden fest und brachte damit die Reisewelle gen Süden so richtig ins Rollen.

 

Im Gefolge kam auch der Fotograf Wilhelm von Gloeden an die Ostküste Siziliens. Er hinterließ Taormina eine Reihe von Fotos junger Sizilianer, die mit Lorbeer bekränzt, nur spärlich oder gar nicht bekleidet für ihn posierten. Inzwischen lebt Taormina ausschließlich vom Tourismus, und die über 100 Hotels aller Preislagen sind in den Sommermonaten häufig restlos ausgebucht.

 

Besichtigung

Um zum beeindruckendsten und bedeutendsten Bauwerk Taorminas, dem Teatro Greco (tgl. 9 Uhr–1 Std. vor Sonnenuntergang) zu gelangen, muss man eigentlich nur den Besucherscharen folgen. Anders, als der Name vermuten lässt, stammt das Theater, wie es sich dem Betrachter heute präsentiert, keineswegs aus griechischer Zeit. Nur noch die Lage, eingebettet in einen Hang, erinnert an seine antiken Ursprünge. Der römische Bau wurde im 2. Jh. v. Chr. auf den Fundamenten eines hellenistischen Vorgängerbaus aus der Zeit Hierons II. (3. Jh. v. Chr.) errichtet. Es ist das zweitgrößte antike Theater Siziliens nach dem von Syrakus.

 

Heute kann man wieder nachvollziehen, wie die griechischen Baumeister die Natur als Theaterkulisse einsetzten. Von den oberen, in den Fels geschlagenen Stufen fasziniert ein einzigartiger Rundblick über das Meer, die Küste und den Ätna, der täglich Tausende anlockt.

Für den römischen Theaterbau wurde dann allerdings eine mehrgeschossige Bühnenwand hochgezogen, die die fantastische Kulisse verstellte. Ein weiterer römischer Umbau fand im 3. Jh. n. Chr. statt. Die unteren Sitzreihen wurden entfernt, um den Bühnenbereich für Zirkusspiele zu vergrößern, der Zuschauerraum wurde nach oben hin erweitert. Dort konnten 30 000 Menschen Platz nehmen.

 

Die heute durchbrochene Theaterwand gibt wieder den Blick auf die umgebende Landschaft frei. Und jährlich im August - während des Musikfestivals Taormina Arte (Tel. 09 42 62 87 30, Fax 094 22 33 48, www.taormina-arte.com ) - kann man die herrliche Kulisse und die unvergleichliche Akustik auf griechische Art genießen. Dann werden hier Konzerte, Theaterstücke und Opern aufgeführt.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Theater liegt das legendäre Hotel Timeo, erste Residenz der Taormina-Reisenden. In diesem Luxushotel wohnten stets besonders illustre Gäste.

Wer vom Theater über die Via Teatro Greco Richtung Zentrum läuft, stößt nach kurzer Zeit auf den Corso Umberto, die autofreie Hauptstraße, die sich im Bogen durch die gesamte Ortschaft zieht.

 

Beliebte Teffpunkte sind die Piazza Vittorio Emanuele und die sich anschließende Piazza S. Catarina. Hier erhebt sich der schöne, im 15. Jh. in maurisch-normannischem Stil erbaute Palazzo Corvaja. Im Innenhof ist ein älterer, aus arabischer Zeit stammender Wehrturm in die Anlage einbezogen worden. Heute hat sich das Fremdenverkehrsamt im Palast einquartiert sowie die ethnoanthropologische Sammlung Panarello (Di–So 9–13 und 16–20 Uhr), die u. a. mit hübschen Votivbildern bestückt ist.

 

Hinter dem Palast befinden sich die, allerdings nur spärlichen Überreste eines weiteren römischen Theaters. Das kleine, einst überdachte Odeon aus der Kaiserzeit war für nur 200 Zuschauer angelegt. Wenn man den Corso Umberto überquert und in Höhe der Banco di Sicilia nach links abbiegt, trifft man in der Via Naumacchia noch einmal auf römisches Erbe. Eine 122 m lange und 5 m breite Ziegelmauer mit zweimal 18 Bogennischen hat die Fantasie der Archäologen beschäftigt. Aufgrund des Namens des Bauwerks, Naumacchia, vermutete man lange Zeit, dass hier einst in einem riesigen Wasserbecken Seeschlachten aufgeführt wurden. Zutreffender jedoch erscheint die Interpretation als Außenwand einer Zisterne.

 

Von hier führt die Straße immer geradeaus zur auch Giardino Pubblico genannten Villa Comunale. Anfang des 20. Jh. ließ die Engländerin Florence Trevelian im Park eine reiche Pflanzenpracht anlegen, außerdem entwarf sie bizarre Figuren, die nun wie Versatzstücke längst vergessener Operetteninszenierungen wirken. 1922 verkaufte sie die Anlage an die Stadt. Heute ist der öffentliche Garten ein Ort der Erholung, der zudem eine wundervolle Aussicht bietet. An Sommerabenden wird gelegentlich musiziert oder Theater gespielt.

 

Zurück am Corso Umberto folgt man neben der Banco di Sicilia einem kurvenreichen Weg bergauf zum Santuario Madonna della Rocca und zur Ruine des Castello Saraceno. Hier oben ist man dem Ätna ganz nah. Zudem überblickt man die gesamte Altstadt und das Meer. Ein weiterer beliebter Aussichtspunkt ist die 200 m über dem Meer gelegene Terrasse der Piazza IX Aprile. Hier laden einige Cafés zur Rast ein.

Zentrum der Altstadt ist die Piazza del Duomo mit einem kleinen Barockbrunnen aus dem Jahr 1635, der die Figur eines Kentauren trägt. Der Duomo San Nicolò di Bari , eine dreischiffige Basilika, stammt aus dem 13. Jh., wurde aber später mehrfach umgebaut. Aus der bescheidenen Ausstattung ragt das Altargemälde ›Maria mit Kind und Heiligen‹ heraus. Das Polyptychon wurde 1504 von Antonello da Saliba, einem Neffen Antonello da Messinas, gefertigt.

 

Zweigt man am Ende des Corso Umberto links vor dem Postamt ab, ist ein weiterer schöner Palast zu besichtigen, der Palazzo Duchi di San Stefano (tgl. 9–12.30 und 15.30–18 Uhr) aus dem 15. Jh. Durch Bombardierungen während des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt, dient er heute restauriert der Fondazione Mazullo als Sitz und Ausstellungsgebäude. Palast und Garten sind reich ausgestattet mit Werken des sizilianischen Bildhauers Giuseppe Mazzullo.

 

In dem gotischen Adelspalast Badia Vecchia wurde das Museo Archeologico P (tgl. 9–13 und 16–20 Uhr) untergebracht. Besonders Stücke, die bei den jüngsten Ausgrabungsarbeiten in der Region zwischen 1984–98 zutage gefördert wurden sind dort zu sehen.